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“Ja zu Sex mit Informanten”

“Don’t fuck the natives”, pflegt man unter Ethnologinnen zu sagen. Doch was tun, wenn man den Alltag von Menschen studiert, wo Sex eine wichtige Rolle spielt?

Die Woz besucht “ein ganz besonderes Ferienzentrum” in einem Nest im Elsass, wo sich “Radical Faeris” treffen. Das sind alternative Schwule – Schwule, die “abseits des homosexuellen Mainstreams sich selbst finden wollen”. Sie sehen sich, so die WoZ weiter, als “Gegenbewegung zur urbanen Schwulenszene, in der sich fast alles um Aussehen, schnellen Sex und Konsum dreht”.

Unter den Schwulen findet die WoZ-Journalistin Bettina Dyttrich auch Guillaume, einen 24jähren Ethnologen aus Paris, der seine Magisterarbeit über Radical Faeris schreibt.

Wir erfahren, dass er den Tag “am liebsten auf dem Sofa, an verschiedene Faeries gekuschelt” verbringt. Über das Thema Sex auf der Feldforschung habe er viel nachgedacht, lesen wir. Denn eigentlich sollte man das nicht tun. “Ich finde aber, es geht schon. Ohne unethisch zu sein”, sagt er zur WoZ.

Der Ethnologe hat zuvor neuheidnische Gruppen und moderne Hexen studiert.

>> weiter in der WoZ

Zum Thema gibt es offenbar nicht viel im Netz. Eine Ausnahme ist der Text Sex and the Ethnographic I in Reflexive Relationships: A Question of Ethics and Desire in Laurie Charles’ Intimate Colonialism von Michael Hemmingson.

SIEHE AUCH:

“Der geteilte Schmerz ist der Kern jeder teilnehmenden Beobachtung”

Sexual anthropologist explains how technology changes dating, love and relationships

Researched the sexual revolution in Iran

An anthropologist on sex, love and AIDS in a university campus in South Africa

The anthropology of nudity: New issue of American Ethnography Quasimonthly

Magisterarbeit: Queer in Indien

A subculture of hefty, hirsute gay men is attracting the attention of academics

Ethmundo über Verhexte, Besessene und einen deutschen Schamanen

"Don't fuck the natives", pflegt man unter Ethnologinnen zu sagen. Doch was tun, wenn man den Alltag von Menschen studiert, wo Sex eine wichtige Rolle spielt?

Die Woz besucht "ein ganz besonderes Ferienzentrum" in einem Nest im Elsass, wo sich "Radical…

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Michael Schönhuth: Mehr Interesse für eine öffentliche Ethnologie?

Dass die Ethnologie ein problematisches Verhältnis zu Medien und Forschungsvermittlung generell hat, ist keine Neuigkeit. Michael Schönhuth gibt in der neuesten Ausgabe von Ethnoscripts eine Standortbestimmung, die jedoch meiner Auffassung nach etwas zu negativ ist.

Er schreibt u.a.

Das Standing der Ethnologie im öffentlichen Raum in Deutschland ist keinesfalls vergleichbar mit dem in den USA, Großbritannien, Frankreich und vor allem Skandinavien, wo die Popularisierung durch Vertreter wie Fredrik Barth, Eduardo Archetti und Thomas Hylland Eriksen eine lange Tradition hat und fest verankert ist. Es fehlen uns auch Spottdrosseln wie Nigel Barley – dessen unterhaltsam-sarkastische ethnologische Feldforschungserzählungen auch in Deutschland Rekordauflagen verzeichnen (Barley 1998). Und der einzige Nachkriegsethnologe, der über die Jahre eine breitere Leserschaft außerhalb der Ethnologie auf sich ziehen konnte, Hans-Peter Duerr, machte keine normale akademische Karriere innerhalb des eigenen Faches.

Vor ein paar Jahren noch hätte ich zugestimmt. Gerade in letzter Zeit hat sich sehr viel getan, sowohl offline (leichtverständliche Papier-Bücher wie Heimat Mensch. Was uns alle verbindet, Maxikulti, Parallelgesellschaften oder Kölner Stammbaum. Zeitreise durch 2000 Jahre Migrationsgeschichte oder Ausstellungen wie Crossing Munich) und online (Blogs, Zeitschriften wie Journal Ethnologie, Portale wie Evifa etc).

Schönhuth nennt selber ein paar solcher Beispiele im Netz.

Interessant auch zu lesen, dass das Pressereferat der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (furchtbarer Name, wie wärs mit einer Namensänderung?) im Laufe dieses Jahres mehrere Tagungen zum Thema „Ethnologie und Öffentlichkeit“ veranstaltet hat.

Auch vielversprechend: Die Webseite www.ethnologie.de soll Schönhuth zufolge überarbeitet und als “Erstkontaktseite für Medienvertreter, potentielle Studierende und interessierte Laien” unter dem Dach des DGV-Pressereferats geführt werden.

Gleichzeitig macht er darauf aufmerksam, dass “eine Ethnologie, die sich gesellschaftlich relevant macht, eines Orientierungsrahmens bedarf, der sich mit Grenzen verantwortlicher Ethnologie auseinandersetzt”. Er denkt hier vor allem an die Zusammenarbeit von Ethnologen mit dem Militär und Geheimdienst, die nicht nur in den USA immer gewöhnlicher wird, doch von vielen Ethnologen heftig kritisiert wird.

>> Michael Schönhuth: Relevanter werden – Zum Verhältnis zwischen Ethnologie und Öffentlichkeit. Standortbestimmung und Perspektiven

Schönhuth hat sich schon lange mit diesem Thema beschäftigt, siehe auch ein Text aus dem Jahre 2001: Populäre Ethnologie – Auszüge aus :“Ist da wer?: Strategien und Fallstricke einer populären Ethnologie“

Es gibt noch mehrere Texte zum Thema in Ethnoscripts, u.a. Martin Sökefeld: Ethnologie der Öffentlichkeit und die Öffentlichkeit der Ethnologie

Doch weder Schönhuth noch Sökefeld gehen darauf ein, dass solche Publikationen wie Ethnoscripts ein Teil des Problemes sind. Denn Ethnoscripts macht ethnologisches Wissen nicht frei zugänglich – nur zwei Artikel der neuesten Ausgabe sind im Netz zu lesen. Stattdessen werden wir auf die Bibliothek des Instituts für Ethnologie der Universität Hamburg und an den Hamburger Verein für Ethnologie verwiesen.

Das ist um so merkwürdiger da Martin Sökefeld in seinem Text schreibt:

Wir sollten mehr Forschungen auf die politics of the public sphere verwenden, auf die Untersuchung der Frage, wer welchen Zugang zu welcher Öffentlichkeit hat oder mit welchen Mechanismen davon ausgeschlossen wird, so wie ich es in Bezug auf Kaschmir nur sehr grob angedeutet habe. Wenn Strukturen von Öffentlichkeit zentral auf Machverhältnisse verweisen, dann muss die kritische Untersuchung von Öffentlichkeit Bestandteil jeder Ethnologie des Politischen sein.

SIEHE AUCH:

Populärethnologie von Christoph Antweiler: Heimat Mensch. Was uns alle verbindet

Looking back at 10 years Public Anthropology online

Open Access Konferenz in Wien: Wissenschaftler für freien Zugang zu Wissen

Kerim Friedman: Open Source Anthropology: Are anthropologists serious about sharing knowledge?

Ethnologie und Oeffentlichkeit II: Das ambitioese Projekt der Muenchner Ethnologiestudierenden

Nancy Scheper-Hughes: Public anthropology through collaboration with journalists

Marianne Gullestad and How to be a public intellectual

“Anthropology needs to engage in an activist way”

“Discuss politics!” – How anthropologists in Indonesia engage with the public

More and more anthropologists, but they’re absent from public debates – “Engaging Anthropology” (1)

Blogging and Public Anthropology: When free speech costs a career

Envisioning a More Public Anthropology: An Interview with Fredrik Barth

Dass die Ethnologie ein problematisches Verhältnis zu Medien und Forschungsvermittlung generell hat, ist keine Neuigkeit. Michael Schönhuth gibt in der neuesten Ausgabe von Ethnoscripts eine Standortbestimmung, die jedoch meiner Auffassung nach etwas zu negativ ist.

Er schreibt u.a.

Das Standing der Ethnologie…

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Wider den Kulturenzwang, für mehr Transkulturalität

Mehr und mehr Bücher kommen auf den Markt, der mit dem verbreitenden Kulturalismus aufräumen. Nun haben Özkan Ezli, Dorothee Kimmich und Annette Werberger die Artikelsammlung Wider den Kulturenzwang. Migration, Kulturalisierung und Weltliteratur herausgegeben.

Das Buch stammt aus dem Umfeld des an der Universität Konstanz etablierten Forschungsverbundes “Kulturelle Grundlagen von Integration“. Die Autoren kommen aus Fächern wie Ethnologie, Soziologie, Kultur-, Literatur-, Politik- sowie Film- und Theaterwissenschaft. Sie hinterfragen dominierende Diskurse über Migration, Globalisierung und Identität, erfahren wir in Rezensionen auf literaturkritik.de und socialnet.de.

Migration ist kein neues Phänomen, sondern etwas Uraltes, Selbstverständliches, das durch die gesamte Menschheitsgeschichte vorgekommen ist. Es macht wenig Sinn von Kulturen als festen Grössen zu reden und Menschen als Produkt von einer bestimmten Kultur zu sehen. Ethnologe Thomas Hauschild schreibt in seinem Artikel über Ehrenmorde, es gebe “keinen fixierten mediterranen Ehrenkodex, der Männer dazu treibt, scheidungswillige Ehefrauen oder unternehmungslustige und modernisierte Schwestern oder Töchter zu töten“.

Im ersten Teil des Buches wird die Tendenz aufgezeigt, “dass die Grenze zwischen dem, was als das ‚Eigene‘ und dem, was als das ‚Fremde‘ betrachtet wird, in Folge von Prozessen der Migration und Globalisierung zwar durchlässiger, durch Ereignisse wie die Anschläge vom 11. September 2001 jedoch gleichzeitig auch verfestigt wurde und wird”, so Susan Mahmody auf literaturkritik.de.

Der zweite und dritte Teil des Bandes zeigt anhand von Beispielen aus Kultur, Literatur, Film und Wissenschaft eine “Gegenbewegung zu den Tendenzen der Kulturalisierung” auf. Eines dieser Beispiele sind deutsch-türkische Filmproduktionen, ein “Kino der Métissage, in dem „offene Formen des Zusammenlebens in einer hybriden, urbanen Gesellschaft“ zentral stehen”.

Özkan Ezli zeigt in seinem Beitrag, so Jos Schnurer auf socialnet.de, “eindrucksvoll auf, dass in den Filmen von türkischen Filmemachern, die in deutscher Sprache hergestellt werden, das zum Ausdruck kommt, was Integration eigentlich will: Eine Vermittlung! So wird der „Kultur“ das zurück gegeben, was sie eigentlich von Anfang an war und was in den ideologischen Festzurrungen verloren ging: Veränderung!”

Der dritte Teil widmet sich dem Konzept der “Weltliteratur”. Er stellt die Existenz von Kulturen als Akteure und Systeme in Frage. Eine Kennzeichnung der Literatur und Kultur als ethnische, sprachliche, homogene und territoriale Einheit sei längst überholt. Daher könne man von „Weltliteratur“ in einem neuen Sinne sprechen, so Dorothee Kimmich in ihrer Auseinandersetzung mit Franz Kafka, Feridun Zaimoğlu und der Weltliteratur als „Littérature Mineure“. Literaturbetrachtung und –forschung müsse beachten, „in welchen Räumen, aus welchen Räumen diese Texte entstehen“.

>> Rezension auf literaturkritik.de

>> Rezension auf socialnet.de

>> Leseproble (Einleitung)

SIEHE AUCH:

Ethnologen, raus aus der Kulturfalle!

Mehr Fokus auf die Gemeinsamkeiten der Menschen! – Interview mit Christoph Antweiler

Buchbesprechung: Unser merkwürdiger Umgang mit “Fremdem”

How to challenge Us-and-Them thinking? Interview with Thomas Hylland Eriksen

Keith Hart and Thomas Hylland Eriksen: This is 21st century anthropology

Werner Schiffauer: Wie gefährlich sind “Parallelgesellschaften”?

“No Pizza without Migrants”: Between the Politics of Identity and Transnationalism

Mehr und mehr Bücher kommen auf den Markt, der mit dem verbreitenden Kulturalismus aufräumen. Nun haben Özkan Ezli, Dorothee Kimmich und Annette Werberger die Artikelsammlung Wider den Kulturenzwang. Migration, Kulturalisierung und Weltliteratur herausgegeben.

Das Buch stammt aus dem Umfeld…

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Gegen die “Rebiologisierung” von Identität

Als erste Geisteswissenschaftlerin hat Ethnologin Katharina Schramm kürzlich den Forschungspreis für Grundlagenforschung des Landes Sachsen-Anhalt erhalten. Schramm forscht an der Schnittstelle zwischen Ethnologie, Philosophie und den Lebenswissenschaften.

In ihrem Habilitationsprojekt erforscht ein neues genetisches Verfahren (Genetic Ancestry Testing), das die historische Mitgliedschaft eines Individuums zu einer oder mehreren Bevölkerungsgruppen bestimmen soll. Dabei, so die Ethnologin, werde suggeriert, kulturelle Zugehörigkeit sei über die Gene determiniert.

“Dieser Tendenz zur Rebiologisierung möchte ich einen wissenschaftliche Ansatz entgegen stellen, der die strikte Trennung der Sphären des Biologischen, des Sozialen und des Intellektuellen widerlegt”, so Schramm. Das Bewusstsein für die Komplexität von Zusammenhängen zu schärfen, ist für sie die zentrale Aufgabe von Wissenschaft.

Um das Wechselspiel zwischen Politik, sozialer Geschichte und neuer Genetik kritisch untersuchen zu können, wird sie in Afrika Feldforschung betreiben.

>> Pressemitteilung beim Informationsdienst Wissenschaft

>> Beschreibung ihres Projektes “Diaspora, citizenship, genetics: Genetic ancestry testing and new relationships of belonging”

Zum Genetic Ancestry Testing siehe auch Researchers caution against genetic ancestry testing (UC Berleley News, 18.10.07) und Deep Roots?: New DNA tests may reveal your ancestry, but researchers urge caution when interpreting results (University of Texas in Austin)

Katharina Schramm ist leider so gut wie unsichtbar im Netz. Einen (älteren) Text hab ich gefunden: “OUR CULURE IS NOT STATIC” Ghanaische Kulturpolitik und die Entwicklung des Ghana Dance Ensemble (pdf)

SIEHE AUCH:

Die “negroiden Lippen Obamas” – Ethnologe reagiert auf Rassismus in der Abendzeitung

Identity politics: Have anthropologists gone too far?

Als erste Geisteswissenschaftlerin hat Ethnologin Katharina Schramm kürzlich den Forschungspreis für Grundlagenforschung des Landes Sachsen-Anhalt erhalten. Schramm forscht an der Schnittstelle zwischen Ethnologie, Philosophie und den Lebenswissenschaften.

In ihrem Habilitationsprojekt erforscht ein neues genetisches Verfahren (Genetic Ancestry Testing), das die…

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Zum Tode von Claude Levi-Strauss

Wie bereits erwähnt, ist Ethnologe Claude Levi-Strauss ein Monat vor seinem 101.Geburtstag gestorben. Er gilt ale einer der bedeutendsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. In den meisten Zeitungen sind interessante Nachrufe erschienen. Hier eine Auswahl:

Philosoph Claude Levi-Strauss ist gestorben (ORF)

Constantin von Barloewen: In der Wildnis der Zivilisation (Die ZEIT)

Wolf Lepenies: Der Jahrhundert-Denker (Die WELT)

Daniel Haas: “Den Menschen gibt es nicht” (Der SPIEGEL)

Martin Heidelberger: Das Lévi-Strauss-Jahrhundert (Deutsche Welle)

Jürg Altwegg: Mythen erschließen die Wahrheit unserer Welt (faz)

Henning Ritter: Die Arbeit des Augenblicks (faz)

Martina Meister: Zeiten verlorener Unschuld (Frankfurter Rundschau)

Keiner rechnet so genau wie der Wilde (Sueddeutsche Zeitung)

Das ABC der Ethnografie – Claude Lévi-Strauss ist weltberühmt. Seine Frau Dina und Lehrerin ist fast vergessen (der Freitag)

Sie auch eine Zusammenstellung von Nachrufen in englischsprachigen Medien und die Berichte zu seinem 100. Geburtstag

Wie bereits erwähnt, ist Ethnologe Claude Levi-Strauss ein Monat vor seinem 101.Geburtstag gestorben. Er gilt ale einer der bedeutendsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. In den meisten Zeitungen sind interessante Nachrufe erschienen. Hier eine Auswahl:

Philosoph Claude Levi-Strauss ist gestorben (ORF)

Constantin von…

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