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Neue Webseite über Traumzeit-Legenden Australiens

Dagobert Wiedamann schreibt mir und erzählt von einem neuen Webprojekt, das er zusammen mit Dieter Tischendorf auf die Beine gestellt hat: http://www.traumzeit-legenden.de :

Jeder der schon mal in Australien war, kann die Respektlosigkeit mit der die Ureinwohner von der weißen Bevölkerung behandelt wird bestätigen. Auch wenn die weißen Australier da langsam umdenken, wird das noch ein langer Prozess sein. Mit dem Internetprojekt http://www.traumzeit-legenden.de wollen Dieter Tischendorf und Dagobert Wiedamann über die Kultur und die Historie der Aboriginal People aufklären. Mit der Sammlung der Traumzeitlegenden wollen sie diese auch vor dem Vergessen bewahren.

Dagobert Wiedamann:

“Als mir Dieter Tischendorf seine Traumzeitgeschichten zu lesen gab war ich davon so begeistert, dass ich Ihn überredet habe das gesamte Werk im Internet zu veröffentlichen. Ich denke das diese Sammlung von Texten aus der Traumzeit die umfangsreichte im deutschsprachingen Raum sein dürfte. Gerade Dieter Tischendorfs Art die Zusammenhänge und Hintergründe auch für Laien verständlich zusammen zu fassen, war einer der Hauptgründe für mich die Traumzeit-Legenden zu veröffentlichen.”

Die Seite ist schön gestaltet und sehr umfangreich. Sie scheint vor allem historisch ausgerichtet zu sein und handelt weniger um Aboriginals in Jeans. Es gibt jedoch auch eine Sektion mit aktuellen News – weiter zu http://www.traumzeit-legenden.de/

Dagobert Wiedamann schreibt mir und erzählt von einem neuen Webprojekt, das er zusammen mit Dieter Tischendorf auf die Beine gestellt hat: http://www.traumzeit-legenden.de :

Jeder der schon mal in Australien war, kann die Respektlosigkeit mit der die Ureinwohner…

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Ausstellung “Crossing Munich”: Ethnologen für neue Perspektiven in der Migrationsdebatte

Wie können Ethnologen zu einer nuancierteren Migrationsdebatte beitragen? In München startet ab 10. Juli ein neuer Versuch. Zusammen mit Volkskundlern, Historikern und Künstlern haben Studierende und Doktoranden der Ethnologie an der Uni München die Ausstellung “Crossing Munich” konzipiert.

Drei Semester lang hat sich dieses interdisziplinäre Team mit dem Thema Migration in München auseinandergesetzt. Doch die Forschenden waren nicht nur in München unterwegs, sondern auch in Istanbul, Antwerpen oder Pristina im Kosovo.

Sie wollen zeigen, dass man das Thema Migration auch anders diskutieren kann. Migration dreht sich nicht nur um Kultur, Ethnizität oder Integration. Und ob nun Migration eine Bereicherung oder eine Bedrohung darstellt, ist auch nicht die interessanteste Problemstellung.

Die Ausstellung hat auch eine überraschend informative Webseite und ist damit auch für uns interessant, die weit weg von München wohnen.

Einen Einblick in die Ausstellung finden wir unter dem Menuepunkt Projekte.

In ihren Projekten verorten die Forscher die Stadt München in einem globalen Netz von Bewegungen und Verbindungen – sowohl heute wie auch in der Vergangenheit.

Einen spannenden Eindruck macht das Projekt Spedition Schulz. Die Autos und Autowracks, die man von aussen sieht, lassen nicht erahnen, dass die „Spedition Schulz“ Teil eines übergreifenden transnationalen ökonomischen Systems ist, welches München mit Afrika und Vorderasien verbindet:

Die Arbeit „Spedition Schulz“ geht in akribischer Feldforschung den ökonomischen Transaktionen nach und macht die transnationalen familiären, sozialen und ökonomischen Pfade sichtbar, die von diesem Ort ausgehen. (…) So erzählen die Autos, die z.B. über Antwerpen afrikanische Häfen ansteuern, nicht nur eine post-koloniale Geschichte von historischen Handelsnetzwerken und ungleichen Tauschbeziehungen, sondern über die Mikroökonomie eines Speditionsplatzes auch die Geschichte afrikanischen Lebens in München.

Einen wichtigen aber offenbar unbekannten Teil der Geschichte rollt das Projekt Migrantische Kämpfe. Kämpfe der Migration auf:

Bisher ist die Geschichte der Proteste und Kämpfe der MigrantInnen der ersten Stunden der „Gastarbeitsära“ nur in sehr geringem Umfang aufbereitet worden. Allerdings können die Recherchen von „Migrantische Kämpfe – Kämpfe der Migration“ deutlich machen, in welchem breitem Ausmaß sich bereits die sogenannte erste Generation an den Protest- und Streikbewegungen in den 1960er und 1970er Jahren beteiligte und/oder ihre eigenständigen politischen Projekte, Solidaritätsbewegungen und Forderungen nach gleichen Rechten in Bildung, Arbeit und Staatsbürgerrecht entwickelte. (…) Das Wissen um diese Ereignisse wird aber bis heute nur spärlich weitergegeben.

Einen kritischen Beitrag zur Debatte um “Ghettos” in den Vorstädten liefert das Projekt “westend“. Die Migration von Arbeitern aus dem Süden veränderte nämlich den Diskurs über die Verhältnisse in den Vorstädten:

Während zunächst noch die sozialen „krassen Missstände“ (SZ 3.3.1970) in den zu hohen Preisen vermieteten Altbauwohnungen angeklagt wurden, produzierte der bald einsetzende Ghetto-Diskurs (1972) eine andere öffentliche Aufmerksamkeit. Jetzt waren es nicht mehr die Praktiken der Vermieter, sondern „der Zustrom der Gastarbeiter“, der plötzlich mit den als Ghettos stigmatisierten Stadtteilen ein Gesicht bekam. (…) Die Arbeit „westend urban_lab“ startet mit einer kritischen Lektüre des Münchner Ghetto-Diskurses und begibt sich selbst auf historisch-ethnographische Spurensuche ins Westend.

Das Dossier skizziert die Positionen der beteiligten Wissenschaftlerinnen. Die wissenschaftliche Leiterin der Ausstellung, Volkskundlerin/Europäische Ethnologin Sabine Hess, wirft in ihrem Text Welcome to the Container einen kritischen Blick auf die dominierenden Diskurse über Migration und zeigt neue Wege in der Forschung auf (sprachlich jedoch nicht gerade leserfreundlich)

Es ist vor allem wichtig, das Containerdenken und den methodologischem Nationalismus zu überwinden und transnationale Perspektiven anzuwenden.

Mit Containerdenken meint sie folgendes:

Die eigene Gesellschaft oder die Stadtgesellschaft wird als kulturell homogener Zusammenschluss mit deutlichen Grenzen vorgestellt. Naturalistischen, ja gar physikalischen und hydraulischen Gesellschaftsvorstellungen folgend wird das von außen Kommende als Fremdkörper imaginiert, das die „Aufnahmefähigkeit“, die „Belastbarkeit“, die „Integrationskraft“ der nationalen Containergesellschaft herausfordert, aus dem „Gleichgewicht“, ja zum „Überlaufen“ bringt (vgl. Crossing Munich 2009).
(…)
Politisch gesehen bringt das Containermodell dabei eine ungeheuere Rigidität mit sich, die den Prozess der Akkulturation und Neuansiedlung in nationale Loyalitäts- und Identitätsrhetorik kleidet nach dem Motto: „Du kannst kein anderes Vaterland neben mir haben“. Diese Perspektiven sind der derzeitigen Integrationsdebatte tief eingeschrieben, die Integration als Imperativ an die MigrantInnen adressiert.

>> zur Webseite von Crossing Munich

UPDATE 1: Interview mit Sabine Hess in der Sueddeutschen und Ausstellungsbesprechung auf no-racism.net

UPDATE 2: 900 Gäste kamen zur Eröffnung. Crossing Munich wurde ausgewählt an der 4. Internationalen Architektur Biennale Rotterdam teilzunehmen, die unter dem Motto „Open City: Designing Coexistence“ vom 24. September 2009 bis zum 10. Januar 2010 stattfindet. Crossing Munich ist in der Kategorie Diaspora vertreten und wird sich dort neben Projekten aus Taiwan, Tokio, Washington und Leipzig präsentieren.

SIEHE AUCH:

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Wie können Ethnologen zu einer nuancierteren Migrationsdebatte beitragen? In München startet ab 10. Juli ein neuer Versuch. Zusammen mit Volkskundlern, Historikern und Künstlern haben Studierende und Doktoranden der Ethnologie an der Uni München die Ausstellung "Crossing Munich" konzipiert.

Drei Semester…

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Problematische Weltmusik und argentinische Klassik: Neue Ethmundo über Musik

Die Studierendenzeitschrift Ethmundo scheint keine Sommerpause zu machen. Soeben ist die allerneueste Ausgabe ins Netz gestellt worden – und zwar zu einem besonders spannenden ethnologischen Thema: Musik.

Wie so oft haben die Autorinnen und Autoren eine breite Perspektive angelegt mit Beiträgen aus der ganzen Welt.

Hervorheben möchte ich den Beitrag von Irene Marti, die in Basel Ethnologie und Soziologie studiert. In Wie das Label „World Music“ soziale Realitäten vereinfacht – Ein Beispiel aus Kamerun erklärt sie uns, warum der Begriff “Weltmusik” problematisch ist. Auf der einen Seite ist der Begriff ethnozentrisch: Der Begriff, schreibt sie, reproduziert den “Dualismus zwischen dem „Westen“ und dem „Rest der Welt“ und rückt Europa unreflektiert in den Mittelpunkt. Ausserdem verleitet er uns dazu, Musik mit zweifelhafter politischer Schlagseite unkritisch zu verherrlichen, wie sie anhand eines Beispiels aus Kamerun zeigt.

Sehr interessant ist auch das Interview, das Bianca Schäfer mit dem argentinischen Ethnomusikologen Lucio Bruno-Videla geführt hat über die globalen Einflüsse der argentinischen Klassik, die von Menschen aus afrikanischen Ländern, von indigene Bevölkerungsgruppen, Italieniener, Franzosen usw geprägt wurde.

Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, lesen wir, war Argentinien ein internationales Zentrum der Künste, Literatur, Architektur, Malerei und Musik. Doch bald gerieten die schönen Künste und mit ihr die klassische Musik schnell in Vergessenheit. Im Instituto de Investigación en Etnomusicología versucht man, dieser Tendenz entgegenzuwirken, schreibt Bianca Schäfer, die gerade in Buenos Aires studiert.

>> zur neuen Ausgabe von Ethmundo

Die Studierendenzeitschrift Ethmundo scheint keine Sommerpause zu machen. Soeben ist die allerneueste Ausgabe ins Netz gestellt worden - und zwar zu einem besonders spannenden ethnologischen Thema: Musik.

Wie so oft haben die Autorinnen und Autoren eine breite Perspektive angelegt mit…

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Bildungsstreik: Seminar für Ethnologie in Halle besetzt

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“Werdet aktiv und besetzt Eure Institute” steht auf den Flyern. Der Bildungsstreik in Deutschland hat begonnen. Seit gestern ist das Seminar für Ethnologie in Halle besetzt.

Auf halleforum.de lesen wir:

Die erste Besetzung eines Gebäudes der Martin-Luther-Universität ereignete sich am Montag am ethnologischen Institut. Studierende blockierten in der Nacht zum 15. Juni das Haus in der Reichardtstraße und machten es so für den Lehr- und Arbeitsbetrieb unzugänglich. An vielen anderen Instituten und Fakultäten wurde indes der Lehrbetrieb mehr oder minder ausgesetzt.

Die meisten Dozenten erklären sich weitgehend solidarisch mit den Studierenden und sehen von Anwesenheitspflicht und anderen Zwängen ab. Ebenso kam es in vielen Seminaren zu Diskussionsrunden, in denen sich Sudenten und Hochschullehrer mit den Themen des Streiks auseinander setzten.

Die Mitteldeutsche Zeitung schreibt:

Die Proteste der Studenten richten sich vor allem gegen zwei Aspekte: Einerseits wird immer wieder die Umsetzung des so genannten Bologna-Prozesses moniert, mit dem sich Studienabschlüsse in Europa leichter vergleichbar machen lassen sollen. Die Einführung der damit einhergehenden neuen Bachelor- und Masterabschlüsse bringt aber Probleme. “Viele Studenten stehen seitdem unter massivem Zeitdruck”, sagt Döring. Außerdem sei das neue System “viel zu verschult”.

Darüber hinaus beklagen die Studenten aber auch die chronische Finanznot der Hochschulen, die sich offenbar noch verschärfen könnte. Denn mitten in den Protest platzte in der vergangenen Woche ein Strategiepapier von Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD), in dem angekündigt wird, dass die Hochschulen in Sachsen-Anhalt nach 2011 mit weiteren Kürzungen in Millionenhöhe rechnen müssten.

Aus diesen Gründen sind seit Montag alle Studenten der Uni aufgerufen, ihren Lehrveranstaltungen fern zu bleiben. “Wir hoffen, dass sich daran möglichst viele beteiligen”, sagt (Florian) Döring, der im zehnten Semester Soziologie studiert. Außerdem soll am kommenden Mittwoch auf dem Universitätsplatz ab 12 Uhr eine große Demonstration starten.

Einer offiziellen Pressemitteilung zufolge sei das Ziel der Aktionen nicht, den Lehrbetrieb einzustellen, “sondern in Solidarität mit anderen Instituten, alternative Lösungen für bestehende Probleme in der deutschen Hochschulpolitik zu entwickeln.”

Mehr zum bundesweiten Streik auch in der ZEIT und im Tagesspiegel sowie auf http://www.bildungsstreik-halle.de

AKTUALISIERUNG: Interview mit Mitorganisator Felix Heinze über soziale Auslese, verängstigte Professoren und die Angst vor Straßenschlachten (Sueddeutsche, 16.6.09) und Interview mit den Studierenden Hella Proetzel und Robin May (Mitteldeutsche Zeitung, 16.6.09)

SIEHE AUCH:

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"Werdet aktiv und besetzt Eure Institute" steht auf den Flyern. Der Bildungsstreik in Deutschland hat begonnen. Seit gestern ist das Seminar für Ethnologie in Halle besetzt.

Auf halleforum.de lesen wir:

Die erste Besetzung eines Gebäudes der Martin-Luther-Universität ereignete sich am Montag am…

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Ehre und Scham: Ist das die Rolle von Ethnologen?

Haben Deutsche keine Ehre? Ist Denken und Handeln in Ehre- und Schamkategorien etwas Vormodernes, das man nur bei Einwanderern findet? Diesen Eindruck hinterlässt jedenfalls die Lektüre der neue Ausgabe von Journal Ethnologie zum Thema Ehre und Scham.

Die Texte handeln nämlich nicht um weisse Männer, die aus verletztem Ehrgefühl Ehefrau und Kinder umbringen oder Politiker und Manager, die Selbstmord begehen oder Dorfbewohner auf der Schwäbischen Alb, die darauf aufpassen, dass immer die Fassade stimmt und man als ehrenhafter Bürger aufgefasst wird.

Die Texte handeln dagegen um Georgien oder Albanien – und um Ehrenmorde, die von Einwanderern begehen werden. Es wimmelt von Generalisierungen. Und Ehre und Scham als ein Prinzip dargestellt, das eigentlich durch “Modernisierung” überwunden sein sollte, aber in unseren Breitengraden “im Zusammenhang mit der Lebensgestaltung von Migranten im urbanen modernen Europa plötzlich wieder auftaucht”.

Bringt uns diese Perspektive weiter? Stimmt sie mit der Wirklichkeit überein? Welches Bild wird von den sogenannten “anderen” vermittelt? Was wird indirekt über die Mehrheitsgesellschaft in nördlicheren Breitengraden ausgesagt?

Vielleicht bin ich wieder zu kritisch, doch die Texte scheinen mir ein Grundproblem deutscher Ethnologie zu illustrieren, das ich schon mehrmals thematisiert habe, siehe Ethnologie-Einführungen und die Sonderstellung der deutschen Ethnologie und Vermitteln Ethnozentrismus und ein ueberholtes Bild von der Ethnologie? sowie Ethnologen, raus aus der Kulturfalle!

Haben Deutsche keine Ehre? Ist Denken und Handeln in Ehre- und Schamkategorien etwas Vormodernes, das man nur bei Einwanderern findet? Diesen Eindruck hinterlässt jedenfalls die Lektüre der neue Ausgabe von Journal Ethnologie zum Thema Ehre und Scham.

Die Texte handeln nämlich…

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