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Der Tagesspiegel zum “Dilemma ethnologischer Museen”

“Darf man die Kontexte weglassen oder herunterspielen, sollten auch Objekte außereuropäischer Kulturen als rein ästhetische Schaustücke ins Rampenlicht gerückt werden? Oder müssen die Entstehungszusammenhänge stets mitgeliefert werden?” In Berlin-Dahlem werden solche Fragen derzeit lebhaft diskutiert, meldet der Tagesspiegel.

Das dortige Ethnologische Museum bereitet seinen Umzug ins Humboldt-Forum, in das wiederzuerrichtende Schloss, vor und man erwartet “eine Neupräsentation der ethnologischen Sammlungen”. Und wie das aussehen soll, darüber gehen die Meinungen auch im Haus offenbar noch auseinander. Die soeben eröffnete Sonderausstellung „Welt der Schatten – Kunst der Südsee“ kann man als Statement in der Museumsdebatte lesen, so der Tagesspiegel.

>> weiter im Tagesspiegel

>> Webseite der Ausstellung (inkl Kurzfilmen)

SIEHE AUCH:

Indigenous Art? Non-Western Art? Primitive Art? The Paris Museum Controversy

"Darf man die Kontexte weglassen oder herunterspielen, sollten auch Objekte außereuropäischer Kulturen als rein ästhetische Schaustücke ins Rampenlicht gerückt werden? Oder müssen die Entstehungszusammenhänge stets mitgeliefert werden?" In Berlin-Dahlem werden solche Fragen derzeit lebhaft diskutiert, meldet der Tagesspiegel.

Das dortige…

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Kriminalisierung kritischer Forscher in Deutschland?

(via Kulturwissenschaftliche Technikforschung) “Wissenschaftlich arbeiten ist wieder gefährlich und wird, ehe man sich versieht, mit Freiheitsentzug bestraft”, schreibt Harald Jähner in der heutigen Ausgabe der Berliner Zeitung. Der Berliner Soziologe Andrej Holm ist verhaftet worden, weil er verdächtigt wird, eine “terroristische Vereinigung” namens “Militante Gruppe” unterstützt zu haben, die in Berlin und Brandenburg zahlreiche Autos angezündet haben soll.

Viele Wissenschaftler sind alarmiert, weil sich die Indizien hauptsächlich auf seine wissenschaftliche Arbeit beziehen. In den wissenschaftlichen Texten des promovierten Soziologen fänden sich laut Bundesanwaltschaft “Schlagwörter und Phrasen”, die in den Texten der “militanten Gruppe” gleichfalls verwendet würden, darunter der in der Stadtforschung gebräuchliche Begriff der “Gentrification“:

Andrej H. veröffentlichte zuletzt das Buch “Die Restrukturierung des Raumes – Machtverhältnisse in der Stadterneuerung im Ostberlin der 90er-Jahre.” Er arbeitet intensiv an einem europäischen Netzwerk von Stadtforschern namens “The urban experience”. Die Wissenschaftler der Humboldt-Universität vermuten besorgt, dass ihn gerade diese Tätigkeit in den Augen der Bundesanwaltschaft verdächtig macht. Deren Ermittler argumentieren nämlich, Andrej H. stünden “als Mitarbeiter eines Forschungszentrums Bibliotheken zur Verfügung, die er unauffällig nutzen kann, um die zur Erstellung der militanten Gruppe erforderlichen Recherchen durchzuführen”.

Verdächtig mache ihn auch seine Intelligenz. Er verfüge über die “intellektuellen und sachlichen Voraussetzungen, die für das Verfassen der vergleichsweise anspruchsvollen Texte der militanten Gruppe erforderlich sind”. Vielleicht ist es wirklich sicherer, doof zu sein.

>> weiter in der Berliner Zeitung

In einem Interview mit Telepolis warnt Soziologe Rainer Rilling, vor den Konsequenzen falls nun die Anklagebehörde mit diesen Beschuldigungen Erfolg hat:

Dann würde jede Wissenschaft unter einem Anfangsverdacht stehen, militanten Aktivitäten zuzuarbeiten. Dann würden es sich Wissenschafter überlegen, ob sie bestimmte Begriffe wie beispielsweise Gentrifikation für eine Umstrukturierung eines Stadtteils noch weiter verwenden. Dieser Begriff, der den niederen englischen Adel bezeichnete und zur Kennzeichnung der Aufwertung von Stadtteilen in die internationale Wissenschaftssprache Einzug gefunden hat, würde dann unter Verdacht stehen.

>> weiter in Telepolis

Wie die taz schreibt gehoert zu den Verhafteten auch ein Politologe, der sich wie der Soziologe mit der Stadtentwicklung vor allem in Prenzlauer Berg auseinandersetzte. Anlass waren die geplante Umwandlung eines Hauses zum Hotel und die von der Bundesregierung geplanten Mieterhöhungen für Ostberlin. Aus diesen Aktivitäten gründete sich 1991 die Gruppe “Wir bleiben alle”, der sowohl H. als auch der Politologe angehörten. Aufsehen erregte auch eine Studie, die der beschuldigte Politologe 1997 verfasst hatte. Darin kam er zum Ergebnis, dass aufgrund Gentrifizierung über die Hälfte der 140.000 Bewohner den Prenzlauer Berg verlassen hatten.

Nur einen knappen Monat vor seiner Verhaftung wurde Andrej Holm von der Bundeszentrale fuer politische Bildung interviewt zu Stadtentwicklungsprozessen im Globalisierungszeitalter.

Es gab bereits viele Solidaritaetsaktionen fuer die Festgenommenen. Mit Slogans wie “Ich bin Promotionsstudent und daher verdächtig” demonstrierten 100 Menschen vor der Justizvollzugsanstalt Moabit. Natuerlich gibt es eine Soli-Webseite und einen Soli-Blog mit mehr Infos zum Fall.

Diese Geschichte reiht sich ein in die gegenwaertige Politisierung der Wissenschaften und Einschraenkung von Meinungs- und Forschungsfreiheit. Die neueste Meldung stammt von heutigen “Inside Higher Education”: Pessimistic Views on Academic Freedom: A greater percentage of social scientists today feel that their academic freedom has been threatened than was the case during the McCarthy era (via Savage Minds)

AKTUALISIERUNG (17.8.07): “Internationaler Wissenschaftler-Kreis sieht in Deutschland die Freiheit der Wissenschaft in Gefahr und fordert die “sofortige Einstellung des 129a-Verfahrens” und die “umgehende Freilassung der Inhaftierten”. Nun ist der Protest international geworden, erfahren wir auf dem Blog Kulturwissenschaftliche Technikforschung

AKTUALISIERUNG (15.8.07): (via Kommentar von Orange): Noch mehr Aktionen gegen kritische Forscher, die auf Demonstationen gehen und sich für eine gerechtere Globalisierung einsetzen: Studierende unter Generalverdacht. Bundeskriminalamt beschlagnahmt Seminarlisten meldet die AStA der Uni Bremen:

Am 09.05.07 fand an der Universität Bremen im Rahmen einer bundesweiten Aktion der Bundesanwaltschaft eine Hausdurchsuchung statt. Diese richtete sich gegen den Lehrbeauftragten Dr. Fritz Storim, welchem nach $129a die “Bildung einer terroristischen Vereinigung zur Verhinderung des G8-Gipfels” vorgeworfen wird. Die Bundesanwaltschaft kommentierte Ihr Handeln mit den Worten: “Die heutigen Untersuchungen sollten Aufschluss bringen über die Strukturen und die personelle Zusammensetzung von diesen Gruppierungen, und dienten nicht in erster Linie zur Verhinderung von konkreten Anschlägen. Dafür gab es keine Anhaltspunkte”.

Bei der zeitgleichen Durchsuchung von Privaträumen Dr. Fritz Storims stellte das Bundeskriminalamt (BKA) unter anderem sämtliche TeilnehmerInnenlisten sowie Arbeitsmaterialien der von ihm in den letzten Jahren an der Universität Bremen angebotenen Seminare sicher. Damit sind auch Kommilitoninnen und Kommilitonen der Uni Bremen ins Fadenkreuz der Ermittlungen geraten. Ihre Daten liegen den deutschen Strafverfolgungsbehörden nun in Verbindung mit dem Vorwurf des Terrorismus vor. Es muss davon ausgegangen werden, dass alle SeminarteilnehmerInnen Dr. Fritz Storims von der Polizei und dem Staatsschutz überprüft und die gewonnenen Erkenntnisse sowie die Verbindung zu einem potenziellen Terroristen (ihrem Dozenten) in den entsprechenden Datenbanken gespeichert werden.

Siehe auch:

Bush, “war of terror” and the erosion of free academic speech: Challenges for anthropology

Blogging and Public Anthropology: When free speech costs a career

Fired from Yale, anarchist professor points to politics

USA: Censorship threatens fieldwork – A call for resistance

The dangerous militarisation of anthropology

Protests against British research council: “Recruits anthropologists for spying on muslims”

San Jose: American Anthropologists Stand Up Against Torture and the Occupation of Iraq

Zur gleichen Zeit bekommt Ethnologe Erwin Orywal nun Morddrohungen wegen Dialogs mit Muslimen

(via Kulturwissenschaftliche Technikforschung) "Wissenschaftlich arbeiten ist wieder gefährlich und wird, ehe man sich versieht, mit Freiheitsentzug bestraft", schreibt Harald Jähner in der heutigen Ausgabe der Berliner Zeitung. Der Berliner Soziologe Andrej Holm ist verhaftet worden, weil er verdächtigt wird, eine…

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Australiens “gestohlene Kinder” – Eine anthropologische Auseinandersetzung

Stefan Haderer von der Uni Wien hat mir einen Essay geschickt, der auf seiner Diplomarbeit über Australiens rassisistischer Politik gegenüber Aboriginees basiert. Er schreibt über Australiens “gestohlene Kinder” – Kinder mit einem Aborigines- und einem europäischen Elternteil, die vor der Pubertät zwangshaft von ihren Eltern entfernt werden sollten, um in Weißen Institutionen bis zu ihrer Unmündigkeit (mit 21 Jahren) „zivilisiert“ zu werden. Haderer wirft auch einen kritischen Blick auf die Rolle unseres Faches.
In einem “richtungweisenden Urteil” hat soeben ein australisches Gericht einem Ureinwohner Schadensersatz für die Zwangstrennung von seiner Mutter zugesprochen.

Australiens “gestohlene Kinder” – Eine anthropologische Auseinandersetzung mit der Stolen Generation
von Stefan Haderer

Einleitung

Im folgenden Essay nehme ich Bezug auf meine Diplomarbeit „Forced to be ‘civilized’ – Australia’s Stolen Generation in the Light of 20th Century Assimilation Policies” (2007), welche ich am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien geschrieben habe. Die Arbeit wird voraussichtlich im Januar 2008 allen Studierenden und Interessenten zugänglich sein. Sie basiert auf einer ethnohistorischen Forschungsmethode mit einem diskursiv-analytischen Ansatz.

Während meines Auslandsstudiums an der University of Sydney in Sydney (Juli bis November 2006) konnte ich eine Forschung vor Ort durchführen. Schriftliche Quellen, welche unter anderem auch die Interviews zahlreicher betroffener Aborigines-Männer und –Frauen beinhalten, dienten mir als Vorlage meiner Arbeit. Ebenfalls hatte ich die Erlaubnis, in australischen Staatsarchiven, welche der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, zu forschen.

Ein zentraler Ansatz für meine Arbeit war, so viele verschiedene Stimmen und Aussagen wie möglich darzustellen und die kontroversen Ansichten im Licht der Wissenschaft möglichst objektiv zu kontrastieren.

Inhalt

Meine Forschung nimmt direkten Bezug auf die Stolen Generation, die heute noch ein politisches Thema in der Politik Australiens darstellt, da sich leider PolitikerInnen weigern, die Realität des Genozids an Aborigines-Kindern anzuerkennen und sich dafür offiziell zu entschuldigen. Was aber versteht man genau unter Stolen Generation?

Im Rahmen des australisch-kolonialen Protektionssystems, welches vorsah, Aborigines als „sterbende Rasse“ zu retten und ihnen deshalb Reservate zuteilte, entstand zunehmend die Forderung nach einer Assimilationspolitik. Diese basierte nach wie vor auf sozialdarwinistischen und sozioevolutionistischen Theorien, welche die europäischen Einwanderer als „höhere weiße Rasse“ darstellten. Die Mehrheit der australischen Bevölkerung nahm diese Ansicht unhinterfragt an und schaffte somit mittels Medien, Wissenschaft und Medizin einen Diskurs, der das Leben der Aborigines und ihrer Kinder wesentlich beeinflussen sollte.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde zunehmend das „half-caste problem“ thematisiert. „Half-caste“ ist ein sozialdarwinistischer Begriff für sogenannte „Mischlingskinder“, d.h. Kinder mit einem Aborigines- und einem europäischen Elternteil. Diese Kinder wurden von angesehenen AnthropologInnen (z.B. A.P. Elkin) und WissenschaftlerInnen dieser Zeit als „rückständig“, „kulturlos“ (weil zwischen zwei Kulturen) und „unzivilisiert“ bezeichnet. Größtenteils waren es Kinder, die Opfer von Vergewaltigungen waren, welche fast täglich neben anderen Gewaltakten auf Reservaten durch Weiße Manager und Aufseher stattfanden.

Bis in die 1930er Jahre hatte die „half-caste“-Bevölkerung stark zugenommen – eine Entwicklung, die die Weiße Regierung Australiens mit Besorgnis beobachtete. Physische Anthropologen wie Cecil E. Cook und Gouverneure wie A.O. Neville und Paul Hasluck fürchteten den „Untergang der weißen Rasse“ und eine – in ihren Augen schädliche – „Vermischung der Rassen“, wie sie auch in Nazi-Deutschland zur gleichen Zeit angedroht wurde.

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In der Commonwealth State Conference, welche 1937 in Canberra unter ausnahmslos Weißen Regierungsvertretern, Gouverneuren und Akademikern abgehalten wurde, wurde schließlich gesetzlich über das Schicksal jener „half-caste“-Kinder entschieden. A.O. Neville sah eine Lösung, indem diese Kinder vor der Pubertät zwangshaft von ihren Eltern entfernt werden sollten, um in Weißen Institutionen (Erziehungsanstallten, Wohlfahrtseinrichtungen und bei Weißen Pflegefamilien) bis zu ihrer Unmündigkeit (mit 21 Jahren) „zivilisiert“ zu werden.

Dieses Programm basierte auf der Annahme einer biologischen und kulturellen Assimilation: Aboriginality sollte den Kindern „ausgetrieben“ werden, sodass in den kommenden Generationen das „half-caste problem“ nicht mehr bestünde. So sollten die dunklere Hautfarbe, die Bindung zu Land, Vorfahren und spirituellem Wissen und die indigene Muttersprache komplett eliminiert und der „weißen christlichen Norm“ angepasst werden.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Welfare Board gegründet, welches die komplette Vollmacht über Aborigines-Kinder mit hellerer Hautfarbe erhielt. Die Elternteile und Verwandten auf Reservaten wurden als „unzurechnungsfähig“ angesehen, ihre Kinder als „vernachlässigt“ (neglected). Szenen wie die gewaltsame Trennung der Kinder von ihrer Mutter in Philip Noyce’s preisgekröntem Film Rabbit-Proof Fence (2002) waren leider grausame Realität und betrafen fast jedes 3. bis 5. Kind (vgl. Healey 1998). Schätzungen von ENIAR (European Network for Indigenous Australian Rights) setzen die Zahl der entfernten Kinder auf ca. 100.000.

Nach der gewaltsamen Trennung erwartete die Kinder ein Leben in einer Welt voll psychischer und physischer Grausamkeit. Dr. Paul Read, der Begründer einer der ersten Organisationen namens Link-Up, die auf die Stolen Generation in den 1980ern aufmerksam machte und Augenzeugenberichte in ganz Australien sammelte, schätzt, dass in Institutionen jedes zehnte und in Pflegefamilien jedes fünfte Kind ein Vergewaltigungsopfer war.

Trotz internationaler Einsprüche seitens Amnesty International und der Vereinten Nationen, die als „linke Propaganda“ abgetan wurden, setzte Australien die rassistische Politik des Kindesentzugs bis 1969 fort. Die Bevölkerung war vom kollektiven und positiven Nutzen des „Wohlfahrtssystems“ fest überzeugt. Gewalt und Leid, aussichtslose Zukunftsperspektiven und Akkulturation wurden absichtlich übersehen.

Das Magazin Dawn zeigte der Öffentlichkeit lachende Gesichter von weiß gekleideten, frommen Aborigines-Kindern in Heimen wie Kinchela und Cootamundra und setzte fröhliche Leitartikel darunter, um sie vom guten Zweck der Politik zu überzeugen. Verschwiegen wurde, dass das Lächeln der Kinder aufgesetzt war, dass sie selbst im Winter keine Schuhe bekamen und hungern mussten, wenn sie ihre handwerklichen Arbeiten nicht vor Tagesanbruch beendet oder ein Fahrrad „illegal“ benutzt hatten.

Nachdem die Kinder von ihrer Unmündigkeit befreit waren, durften sie als freie Menschen ins gesellschaftliche Leben. Sie galten zwar als „zivilisiert“, doch erwartete sie ein harter Kampf. Nur in den untersten Berufen, wie etwa als work boys, farmhands und Hausbedienstete konnten sie eine Anstellung finden, da das soziale Netz nach wie vor keinen Aufstieg für Aborigines vorsah – auch nicht, wenn sie als „zivilisiert“ galten. Das Geld, das ihnen eigentlich vom Welfare Board nach Vollendung des 21. Lebensjahres zustehen sollte, wurde den Kindern meist nicht ausgehändigt oder verheimlicht.

Aufgrund der physischen und psychischen Traumata, welche die Stolen Generation nach wie vor nicht verarbeiten konnte, wurden viele der Kinder obdachlos, Alkoholiker, drogenabhängig, suizidgefährdet oder gewalttätig gegen ihre eigene Familie.

Seit den 1980ern hat sich die Situation in Australien nicht wesentlich geändert. Die Stolen Generation ist kein Mythos der Vergangenheit, eine Sünde der Vorväter, über die man besser schweigen und in die Zukunft blicken soll – wie es sich Australiens Premier John Howard und zahlreiche anderen PolitikerInnen wünschen. Sie ist noch heute präsent – auf den Straßen in den Städten Australiens, in den Gefängnissen, in den Jugendschutzheimen, wo Aborigines-Kinder nach wie vor noch die größte Zahl einnehmen, aber auch in Statistiken, in denen Aborigines die höchste Selbstmordrate der Welt aufweisen.

Die Anregungen und Wünsche jener Menschen, die von der rassistischen Assimilationspolitik betroffen waren, ist lang. Viele von ihnen konnten – mit Hilfe von Link-Up und psychologischer Aufarbeitung der Vergangenheit – ein neues Leben beginnen. Viele von ihnen drücken ihre Träume und Ängste kreativ aus – als KünstlerInnen, SängerInnen oder in Form von Gedichten. Andere sind politisch engagiert und setzen sich aktiv für indigene Rechte ein, die nach wie vor in der australischen Weißen Gesellschaft wenig Anklang finden.

Die Stolen Generation ist somit ein wesentlicher Ansatzpunkt in der Auseinandersetzung mit Rassismus. Eine wissenschaftliche anthropologische Analyse kann dazu beitragen, die Gesellschaft aufzuklären, Zusammenhänge besser zu begreifen und Zukunftsperspektiven darzustellen.

Quellenangaben

ENIAR European Network for Indigenous Australian Rights. www.eniar.org/stolengenerations.html

HEALEY, Kaye. 1998. The Stolen Generation. Issues in Society Vol. 91. Balmain:The Spinney Press.

VILLELLA, Fiona A. March 2006. “Long Road Home: Philip Noyce’s ‘Rabbit-Proof Fence’”

http://www.sensesofcinema.com/contents/01/19/rabbit.html

Stefan Haderer, Student der Kultur- und Sozialanthropologie. Kontakt: ath_steph_3000 (at) hotmail.com

Stefan Haderer von der Uni Wien hat mir einen Essay geschickt, der auf seiner Diplomarbeit über Australiens rassisistischer Politik gegenüber Aboriginees basiert. Er schreibt über Australiens "gestohlene Kinder" - Kinder mit einem Aborigines- und einem europäischen Elternteil, die vor der…

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Der Volkskunde-Kongress bloggt

Vom 23.-26. September findet der 36. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde statt. Schon jetzt existiert eine vorbildliche Webseite. Thema des Kongresses ist die Bedeutung der Medien im Alltag der Gegenwart und Vergangenheit.

Normalerweise sind Kongress-Webseiten eine traurige Affaere. Bei den Volkskundlern jedoch wird man gleich mit einem mp3-Grusswort empfangen, man kan sich einen gruendlichen Uebeblick ueber saemtliche Referenten (Interviews) machen, ausserdem gibt es einen Blog mit Podcasts.

Im ersten Podcast des Kongresses wird z.B. erklärt, was sich hinter dem Kongresstitel Bilder Bücher Bytes verbirgt und in welcher Tradition der Kongress steht.

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“Die Ethnologie sollte die Chance des Graswurzel-Publizierens ergreifen”

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Orywal zu Moschee-Neubau: “Verantwortliche, nehmt Bedenken ernster”

Obwohl in Deutschland Religionsfreiheit herrscht, loest ein Moschee-Neubau hitzige Diskussionen aus. In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger ueber die geplante neue Moschee in Köln, fordert Ethnologe Erwin Orywal die Verantwortlichen auf, die Einwaende der Koelner Bevoelkerung ernster zu nehmen. Den Betroffenen würden fertige Baupläne serviert, auf die sie keinen Einfluss nehmen könnten, kritisiert er.

Er sagt, die Debatte drehe sich um viele praktische Probleme, die nicht nur mit Religion zu tun haben:

Die Gründe für eine Ablehnung sind übrigens über die Jahre immer die gleichen geblieben: der Ruf des Muezzins, Parkplatzprobleme, Verkehrsbehinderungen durch die vielen Besucher des Freitagsgebets.

Allerdings verbegen sich hinter der Sorge um genügend Parkplätze auch Ängste vor dem Islam, die von den “fast täglichen Nachrichten und Bilder von Gewalttaten radikaler Muslime” geschuert werden, raeumt er ein.

>> zum Interview im Kölner Stadtanzeiger

In der faz hat sich Ethnologe (und Soziologe) Wolf-Dietrich Bukow geaeussert. Der Streit über die Moschee hat ihn überrascht. „Woher kommt die Angst?“ Man kenne sich doch eigentlich, sagt er. Mittlerweile hat er zwei Erklärungen gefunden, lesen wir:

Die eine beruht auf dem, was er die „politische Großwetterlage“ nennt. Sie schüre eine Angst vor der Religion, die wenig mit dem Islam zu tun habe, der bei der Ditib praktiziert werde. „Das ist ein Zeichen von Globalisierung. Wir machen uns heute zu Hause Sorgen, wenn am anderen Ende der Welt etwas Schreckliches passiert.“

Bukows zweite Erklärung beruht auf einer falschen Zuwanderungspolitik in der Vergangenheit: „Man hat unterschichtet. Hätte man nicht nur Arbeiter, sondern auch Akademiker aus der Türkei einwandern lassen, hätten wir das Problem heute nicht.“ Immer wenn sich Migration mit einer bestimmten Gesellschaftsschicht verbinde, werde es schwierig, denn dann greife die alte Schichtenlogik: „Den Migranten wird nur die Rolle der kleinen Leute zuerkannt, der Aufstieg wird ihnen verwehrt.“ Der Bau eines Gotteshauses, der für das (Klein-)Bürgertum stehe, passe deshalb nicht ins Bild.

>> weiter in der faz: “Moscheebau: Die Angst vor dem Nachbarn”

Eine umfassende Sammlung von Kommentaren zum Moscheebau gibt es beim Too Much Cookies Network von Omar Abo-Namous.

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Neue Studie: Islamisches Gemeindeleben in Berlin

Hauschild: “Wir müssen begreifen, was es heißt, als Muslim im Westen zu leben”

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