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Saison in Mekka: “Dieses Buch ist eine Sensation”

“Eine wunderbare publizistische, wissenschaftliche und literarische Brücke in die Welt des Islams”. Thomas Hauschild schreibt in der FAZ begeistert ueber das Buch “Saison in Mekka” des Ethnologen Abdellah Hammoudi.

In diesem Buch beschreibt der Ethnologe, wie er als “lauwarmer Muslim” am Haddsch teilnimmt, einer beschwerlichen Pilgerreise nach Mekka. Das Buch erschien bereits vor einem Jahr in Englisch (wie damals hier berichtet) und ist nun auch auf Deutsch erhaeltlich.

Das Buch ist laut Hauschild “wie ein Freund, ein Begleiter, der uns zu seinem Mitreisenden macht”:

Atemlos schleppt man sich am Rockzipfel von Hammoudis weißem Pilgergewand durch die riesigen Moscheen, fiebernd strudelt man mit ihm am Allerheiligsten der Kaaba vorbei, lässt sich von seinen Freunden über die Märkte von Medina und Mekka zerren, auf der ständigen Suche nach den Mitbringseln und Koffern zum Tragen der Mitbringsel, aus denen das große, beliebte Rückkehrfest bestritten werden wird, obwohl es in der dogmatischen Überlieferung nirgends vorgesehen ist – um schließlich nach kurzen Schlafphasen in überfüllten Quartieren wieder hochzuschrecken von schäbigen Schaumstoffmatratzen zu neuen Waschungen und Gebeten.

>> weiter zur Besprechung in der FAZ

>> Interview mit Abdellah Hammoudi in der ZEIT

>> Interview im Kölner Stadt-Anzeiger

>> “A Season in Mecca” – New book about real participant observation as a mecca pilgrim

>> Buchauszug (auf Englisch)

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"Eine wunderbare publizistische, wissenschaftliche und literarische Brücke in die Welt des Islams". Thomas Hauschild schreibt in der FAZ begeistert ueber das Buch "Saison in Mekka" des Ethnologen Abdellah Hammoudi.

In diesem Buch beschreibt der Ethnologe, wie er als "lauwarmer Muslim"…

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Berlin: Besetzung des Ethnologischen Instituts half nicht

Im Januar protestierten 100 Studierende der Ethnologie auf dem Berliner Alexanderplatz. Vergangene Woche besetzten sie mehrere Tage lang das Ethnologische Institut der Freien Universität Berlin. Doch der Protest aenderte nichts: Die Instituts-Bibliothek und die Büros werden geraeumt.

Das Ethnologie-Institut soll der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) Platz machen, einer Privatuniversität mit Studiengebuehren. In einem Offenen Brief an die Leitung der FU kritisiert die studentische Fachschaftsinitiative der Ethnologie an der FU Berlin die Pläne der Universitätsleitung und des Klett-Verlags, eine eine Privatuniversität mit öffentlichen Geldern zu gründen:

Als Gebäude der DUW wurde das jetzige Institutsgebäude der Ethnologie gewählt, die trotz lange feststehender Planung kurzfristig und überraschend mit vollendeten Tatsachen konfrontiert wurde. Folgen für das Institut, trotz hoher, steigender Zahl an Neueinschreibungen und trotz erwiesen erfolgreicher Lehre und Forschung, sind Zwangsumzug in ein noch kleineres Gebäude sowie das ersatzlose Streichen von Seminarräumen und Bibliothek. Letztere wird maßgeblich in ein Magazin mit Zettelkatalog-Bestellung und zweitägiger Wartezeit überführt.

Die obrigkeitsstaatliche Informationspolitik der Universitätsleitung sowie die perfide, schleichende Ökonomisierung der Universität kritisieren wir scharf.

Ermöglicht wurde die marktwirtschaftliche Investition von Universitätsgeldern sowie die Entdemokratisierung der Universität durch die Erprobungsklausel des schwarz-roten Senats von 1997, die an der FU trotz starker Kritik von studentischer Seite 1998 angenommen wurde. Die Erprobungsklausel wurde mit dem Ziel der „Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, insbesondere der Erzielung eigener Einnahmen der Hochschule“ eingesetzt und ‘verschlankte’ die Entscheidungsstrukturen zugunsten des Präsidenten und der Dekane und zu Ungunsten studentischer Vertretung und demokratischer Mitbestimmung.

Wir fordern die Abschaffung der Erprobungsklausel, die nötige kritische Distanz von Wissenschaft und Wirtschaft, den Erhalt – zumindest die unverzügliche Digitalisierung – der ethnologischen Bibliothek, die Neubesetzungen der freistehenden und der in Kürze auslaufenden Professuren sowie, selbstverständlich, den Rücktritt Lenzens für eine demokratische, emanzipatorische Universität.

Doch die Uni- und Institutsleitung liess sich nicht vom Protest beeindrucken, lesen wir in einer Mitteilung der Fachschaft:

Das zeigt einmal mehr, mit welch eiserner Hand unsere angeblich auf dem Freiheitsgedanken fußenden Universität regiert wird: die Leitung zeigte sich nicht gesprächsbereit und der Wachschutz ist extra in “Alarmbereitschaft” versetzt worden aus Angst vor studentischen Reaktionen gegen die eigene Politik.

Unsere Situation sehen wir als ein Beispiel des derzeitigen bildungspolitischen Geistes in Deutschland, gegen den wir uns wehren. Wir kritisieren, dass nachhaltige Wissenschaft aufgrund von kurzsichtigen, ökonomisch orientierten Schmalspur-Bildungsprojekten verdrängt wird und die demokratische Mitbestimmung immer mehr eingeschränkt wird. Wir fordern Transparenz, Beteiligung der Betroffenen an Entscheidungsprozessen und Weitsichtigkeit für eine emanzipatorische Gesellschaft.

In einer frueheren Pressemitteilung schrieb die Fachschaft:

Neben der private-public-partnership sehen wir eine zweite allgemeine Technik der Ökonomisierung der Universitäten im Postulat der Drittmittelanwerbung: Erforscht wird,was ein Markt verlangt,was unmittelbar ökonomisch verwertbar ist.
(…)
Die Einführung des Bachelor/Master-Systems in seiner jetzigen Form transformiert die Universitäten zu Berufsausbildungseinrichtungen. Kritikfähigkeit, Emanzipation, Denken braucht Zeit im Gegensatz zum Wissen, das schnell erlernbar ist. Ein 3-Jahre kurzes Studium ist unvereinbar mit dem emanzipatorischen Selbstanspruch der Universitäten. Das Ausstaffieren der Studierenden für den Arbeitsmarkt ist nicht ideelle Aufgabe der Universitäten.

Mehr Informationen liefert der Blog fsi – die fachschaftsinitiativen.

Vor drei Monaten hatte die taz unter dem Titel Studenten werden Kunden bereits kritisch ueber die “Deutsche Universität für Weiterbildung” geschrieben.

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Im Januar protestierten 100 Studierende der Ethnologie auf dem Berliner Alexanderplatz. Vergangene Woche besetzten sie mehrere Tage lang das Ethnologische Institut der Freien Universität Berlin. Doch der Protest aenderte nichts: Die Instituts-Bibliothek und die Büros werden geraeumt.

Das Ethnologie-Institut…

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Schiffauer: “Die Deutschen haben Schuld”

Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Einbürgerungen in Deutschland um mehr als ein Drittel gesunken. Der Rueckgang betrifft besonders türkische Staatsbürger. Das liegt vor allem an den Haltungen der deutschen Mehrheitsgesellschaft, sagt Ethnologe Werner Schiffauer in einem Interview mit der Berliner Zeitung:

Die Botschaft, dass man als Muslim, vor allem als rechtgläubiger Muslim, in diesem Land, in dem man aufgewachsen ist und dessen Sprache man spricht, nicht willkommen ist, hat etwas unglaublich Kränkendes. Das führt dazu, dass man sich zurückzieht und zunehmend Angst hat, die türkische Staatsbürgerschaft aufzugeben.

Werden wir die türkische Staatsbürgerschaft nicht vielleicht noch brauchen, nicht jetzt, aber in fünf oder zehn Jahren, wenn sich die Dinge so weiter entwickeln?” – das sind Fragen, die in den Gemeinden diskutiert werden. Es werden auch Erinnerungen an den Holocaust zitiert, die sich etwa an den zum Teil hysterischen Reaktionen auf den Van-Gogh-Mord in Holland festmachen. Es geht bei der doppelten Staatsbürgerschaft nicht mehr wie früher um eine Identitätsfrage, sondern um ein Zurückschrecken aus Sorge um die künftige Entwicklung.

Ein weiterer Grund fuer die sinkende Anzahl von Einbuergerungen ist das Einbuergerungsverfahren. Die Ausländerbehörden, so Schiffauer, reagieren zunehmend zögerlich, wenn es darum gehe, Muslimen die Einbürgerung zu bewilligen:

Der umstrittene Einbürgerungsfragebogen von Baden-Württemberg ist nur die Spitze des Eisbergs, das Misstrauen, das er artikuliert, spiegelt die bundesweite Praxis wider. Die Loyalitätsprüfung zur Verfassung lässt viel Spielraum für individuelle Beurteilungen, sie hat den Einbürgerungsbehörden die Tür weit für einen Abgrenzungsdiskurs gegen Muslime geöffnet.

Diese Anti-Islam-Haltungen gefaehrden Bemuehungen der juengeren Muslime, “die Gemeinden zu reformieren und sie in Europa verankern”. Reformpositionen werden von der Mehrheitsgesellschaft oft als Fassade, als Doppelzüngigkeit und Manipulation ausgelegt. Dies bestätige dann wieder diejenigen in den Gemeinden, die der Meinung seind, dass die deutsche Gesellschaft sowieso den Islam nicht akzeptiere, und dass man als Muslim letztlich nur in einer islamischen Gesellschaft leben koenne, sagt er.

Der Ethnologe ist alles anders als gluecklich ueber den Rueckgang der Einbuergerungen:

Wenn sich das bis in die dritte Generation fortschreibt, werden wir eine Bevölkerung haben, die langfristig in diesem Land bleibt, aber von den wesentlichen Aspekten der politischen Meinungsbildung ausgeschlossen ist.

>> zum Interview in der Berliner Zeitung (Link aktualisiert)

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Der zweifelhafte Einfluss der Ethnologie

Die Kultur- und Sozialanthropologie (Ethnologie) hat selten Einfluss auf die öffentliche Meinung genommen. Wenn es dann doch geschah, dann war die Wirkung eher von zweifelhafter Art, schreibt der Wiener Ethnologe Andre Gingrich in der Presse.

Ein dunkler Fleck in der Fachgeschichte ist der Rassenwahn, in dem biologische Konstrukte zum Maß aller Dinge eingesetzt wurden, schreibt er. Peinlich ist auch, dass man im deutschen Sprachraum in der Ethnologie lange Zeit von “Naturvölkern” gesprochen habe. Bis zuletzt herrschte oft eine romantische Auffassung vor, nach der indigene Gesellschaften mit ihrer natürlichen Umwelt in völliger Harmonie verbunden seien.

Die Ethnologie, so Gingrich, tue gut daran, deutlich umzudenken, wo dies nicht schon begonnen hat.

>> zum Text in der Presse (Link aktualisiert)

Von Andre Gingrich siehe auch Nationale Ethnologie und exotische Anthropologie (ORF), mehrere Texte siehe Wikipedia.

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Ein dunkler…

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Multimedia-Webseite: Feste – Bräuche – Traditionen in Europa

Ein Multimedia-Boom bei den Ethnologen? Kanal8 meldet, dass an der Freiburger Universität gestern die neue multimediale Datenbank folklore europaea vorgestellt worden sei. Sie dokumentiert erstmals Feste, Bräuche und Traditionen aus den verschiedenen Regionen Europas. Entwickelt wurde die Datenbank im Fach Europäische Ethnologie an der Uni Freiburg unter der Leitung von Professor Werner Mezger in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk Stuttgart (SWR).

Die Webseite ist viersprachig (deutsch, englisch, franzoesisch und italienisch) und noch im Aufbau. Ein kurzer Test ergab, dass noch ein paar Texte fehlen.

Schauen wir nach Ereignissen in dieser Woche, erfahren wir, dass am 5. Februar frueher in Aha (Breisgau-Hochschwarzwald) der Agathatag gefeiert wurde:

In Aha klebte man am Abend des Agathentags, also am 5. Februar, auf ein Brettchen Kerzen, gewöhnlich für jeden Verwandten eins, bei deren Schein alle Familienmitglieder eine gewisse Anzahl Rosenkränze beten. Das abgetropfte Wachs wurde gesammelt und zu einem Kreuzchen geknetet, das später dem Hirtenbuben oben ins Hosenbrisele, d. h. in den Hosensaum, eingenäht wurde.

Am 2. Februar ist Lichtmess. In Adelsheim (Neckar-Odenwald) fand da frueher die Kerzenweihe statt. Via Multimedia-Suche kommt man zu einer kleinen Lichtmess-Bildergalerie.

Sehr lustig ist das Video ueber das Butzentragen in Ailringen (Hohenlohe, Baden-Wuerttemberg) – ein aus Staedtersicht exotisches Ritual, das weiterhin gepflegt wird.

Die Buben des siebten Schuljahres machen seit unbekannter Zeit am 3. Fastensonntag den Butz. Mehrere Wochen vorher beginnen sie an mehreren Abenden in einem Stall das für die Einbindung verwendete Roggenstroh fein säuberlich herzurichten. Am Sonntag Oculi wird dann in einer geheimgehaltenen Scheune unter Mithilfe eines erfahrenen Mannes der Butz gebunden. Einer der Schüler wird mit dem Roggenstroh eingebunden, erst Füße und Arme, dann der ganze Junge.

Man findet auch Materialen von Braeuchen ausserhalb Deutschlands, z.B. Bilder vom Perchtenumzug in Bad Gastein bei Salzburg oder ein Video vom Basler Morgestraich (Fasnacht) oder Bilder vom Fischsuppenkochfest in Baja (Ungarn) sowie ein Interview zum Eierlaufen in Nagy Kapus (Rumaenien).

Coole Seite! Viel zu entdecken!

>> zur Webseite Feste – Bräuche – Traditionen in Europa

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