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“Nordamerikanische Indianerliteratur als Subdisziplin der Anglistik/Amerikanistik etabliert”

In den achtziger Jahren gab es kaum einen Schlagwortkatalog, der die Begriffe «Indianer» und «Literatur» miteinander koppelte. Heute hat sich nordindianische Literatur dagegen als Subdisziplin der Anglistik/Amerikanistik etabliert, schreibt Hartwig Isernhagen in der NZZ.

Der Literaturwissenschaftler bespricht zwei Neuerscheinungen, die Literatur von nordamerikanischen Indianern praesentieren: den “Cambridge Companion to Native American Literature” und Die Welt wird niemals enden. Geschichten der Dakota von Mary Louise Defender Wilson.

>> zur Besprechung in der NZZ

In den achtziger Jahren gab es kaum einen Schlagwortkatalog, der die Begriffe «Indianer» und «Literatur» miteinander koppelte. Heute hat sich nordindianische Literatur dagegen als Subdisziplin der Anglistik/Amerikanistik etabliert, schreibt Hartwig Isernhagen in der NZZ.

Der Literaturwissenschaftler bespricht zwei Neuerscheinungen, die…

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Die neue Ethnologik ist im Netz!

Sehr schoen. Powerflower – die aktuelle Herbst-Ausgabe der Muenchner Ethnologie-Zeitschrift Ethnologik ist nun im Netz.

Warum heisst die neue Ausgabe Powerflower? In der (kontroversen) Einleitung steht:

Wenn es sich bei der Ethnologie nur um ein hübsches Blümchen handeln soll, dann aber nicht um eine Orchidee. Ethnologie ist wie eine Blume – schön anzusehen – doch birgt sie durch ihr Potential etwas noch viel wichtigeres in sich. Sie hilft, uns selbst und die anderen zu verstehen. Daher sagen wir: Wenn schon Blume – dann Powerflower!

Es gibt Beitraege zu Ethnologie und Oeffentlichkeit, Ethnologie und Praxis und neue Beitraege ueber die sogenannte Muenchner Normalitaet.

Eine Besprechung folgt.

>> Download von Ethnologik 2/2006 (pdf, 1,8 MB )

SIEHE AUCH:

Ethnologik 1/2006 nun endlich im Netz

Ethnologie und Oeffentlichkeit II: Das ambitioese Projekt der Muenchner Ethnologiestudierenden

Sehr schoen. Powerflower - die aktuelle Herbst-Ausgabe der Muenchner Ethnologie-Zeitschrift Ethnologik ist nun im Netz.

Warum heisst die neue Ausgabe Powerflower? In der (kontroversen) Einleitung steht:

Wenn es sich bei der Ethnologie nur um ein hübsches Blümchen handeln soll, dann…

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Nach allen Forschungswenden: Neues Buch zum Stand und Potenzial der Kulturwissenschaften

Cultural Turns – Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften heisst ein neues Buch, das den gegenwärtigen Stand und das Zukunftspotenzial der Kulturwissenschaften kartiert. Ausgangspunkt sind die zahlreichen Theorie- und Forschungs“wenden“ der letzten Jahrzehnte, die hauptsaechlich von der Ethnologie ausgeloest wurden. Die Autorin – die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Doris Bachmann-Medick hat mich per email auf das Buch hingewiesen und auf meinen Wunsch hin noch ein paar erklaerende Zeilen verfasst:

Cultural Turns – Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften

Doris Bachmann-Medick, November 2006

Die gegenwärtigen Kulturwissenschaften nach dem linguistic turn sind geprägt von vielfältigen Theorie“wenden“. Verbreitet ist zwar weiterhin die „Meistererzählung“ eines umfassenden “Cultural Turn” in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Doch bei genauerem Hinsehen ist es gerade der Wechsel der unterschiedlichen Neuorientierungen, der jeweils disziplinenübergreifende Fokussierungen der Forschung ausgelöst und anregende Untersuchungsperspektiven freigelegt hat: interpretive turn, performative turn, reflexive turn, postcolonial turn, translational turn, spatial turn sowie den iconic turn/pictorial turn.

Ausgelöst wurde die Kette der turns in erster Linie durch die Kulturanthropologie bzw. Ethnologie, besonders durch die amerikanische. Als integratives Brückenfach hat die Kulturanthropologie auch für die anderen Sozial- und Humanwissenschaften wichtige Leitvorstellungen entwickelt, ja eine „anthropologische Wende“ in Gang gesetzt, welche die Kulturanalyse auf die Anerkennung kultureller Fremdheit und Pluralität und auf die Untersuchung kultureller Differenzen in menschlichen Verhaltensweisen gelenkt hat.

Der interpretive turn (vor allem ausgehend von dem einflussreich interpretativen Kulturanthropologe Clifford Geertz, der vor einigen Tagen gestorben ist, und seiner Metapher von „Kultur als Text“) ist eine impulsgebende Neuorientierung. Sie hat die weiteren kulturwissenschaftlichen Forschungs“wenden“ überhaupt erst in Gang gesetzt. Ihre hermeneutische Grundorientierung an einem bedeutungsbezogenen Kulturbegriff hält auch da noch an, wo es zu einer Dynamisierung der Symbolinterpretation im Zusammenhang der ethnologischen Ritualanalysen kommt, die den performative turn (vor allem ausgehend von Victor Turner) mit ausgelöst haben. Inszenierung und Darstellung als wichtige Momente von Handeln und Kultur treten hier in den Vordergrund (Kultur als Performance).

Ein dritter Aspekt, der zu einer „Wende“ geführt hat, ist ebenfalls auf dem Gebiet der Ethnologie enstanden: Die kritische Selbstreflexion des eigenen Schreibens, der Autorität und Macht der EthnologInnen in ihrer Darstellung fremder Kulturen und der Anwendung literarischer-fiktionalisierender Darstellungsstrategien im Zuge eines reflexive/literary turn (vor allem James Clifford) hat auch in anderen Wissenschaften zur Einsicht in die Machtbeziehungen von Repräsentationen geführt – seien es (ethnographische) Monographien, Ausstellungen etwa in ethnologischen Museen oder Kulturbeschreibungen überhaupt. Im Zuge des reflexive turn ist das Vertrauen in objektive Repräsentierbarkeit des „Anderen“ durch wissenschaftliche Darstellung jedenfalls grundsätzlich erschüttert worden (vgl. Krise der Repräsentation).

Die Frage der Produktion von „Wissen“ über die „Anderen“ steht auch im postcolonial turn zur Debatte. Hier ist es zum ersten Mal nicht die Ethnologie, sondern die Literaturwissenschaft, die zur „Leitdisziplin“ wird. Die Ethnologie jedoch erlebt hier eine enorme Herausforderung, vor allem im Zusammenhang ihrer neuen Rolle in einer postkolonialen, globalisierten Welt, in der „fremde Kulturen“ nicht mehr nur Objekte wissenschaftlicher Darstellung bleiben. Auch die anderen turns wie etwa translational turn, der die Ausbreitung der Kategorie kultureller Übersetzung in die kulturwissenschaftlichen Fächer hinein betont (vgl. Kultur als Übersetzung), der spatial turn mit seiner Aufwertung von „Raum“ als Analysekategorie (vgl. Kulturgeographie) und der iconic turn mit seiner Hinwendung zu einer kritischen Bildwissenschaft in enger Anlehnung an die Macht der Bilder in der heutigen Welt sind deutliche Herausforderungen für eine Neubestimmung der Ethnologie.

Deren von vornherein interkulturelle Perspektive und ihr Ansatz an den kulturellen Erfahrungen der Subjekte selbst könnten jedoch dazu verhelfen, all diesen turns einen nicht nur theoriebezogenen, sondern „weltbezogenen“ Reflexionshorizont zu geben. Es gilt, einer „Welt in Stücken“ gerecht zu werden, wie sie schon Clifford Geertz in seinen letzten Jahren zum Ausgangspunkt für eine notwendige globalisierungskritische Weiterentwicklung der Ethnologie genommen hat.

>> Text dazu in der Frankfurter Rundschau (pdf!)

>> Interview mit Doris Bachmann- Medick: Was bedeutet das Auftauchen der sogenannten “Turns” für die Kulturwissenschaften?

>> Rezension in der FAZ

>> Rezension in der WELT (pdf!)

>> Rezension in der Sueddeutschen Zeitung

>> Webseite der Autorin

SIEHE AUCH:

Literaturwissenschaft im Aufbruch. Doris Bachmann-Medick und andere plädieren für eine anthropologische Wende in der literarischen Hermeneutik (literaturkritik.de)

Doris Bachmann-Medick: Ist der ‘cultural turn’ noch eine Herausforderung für die (anglistische) Literaturwissenschaft? Ein Schlußkommentar (Uni Bochum)

Doris Bachmann-Medick: Cultural Misunderstanding in Translation: Multicultural Coexistence and Multicultural Conceptions of World Literature (Erfurt Electronic Studies in English)

Cultural Turns - Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften heisst ein neues Buch, das den gegenwärtigen Stand und das Zukunftspotenzial der Kulturwissenschaften kartiert. Ausgangspunkt sind die zahlreichen Theorie- und Forschungs“wenden“ der letzten Jahrzehnte, die hauptsaechlich von der Ethnologie ausgeloest wurden. Die…

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“Die Ethnologie sollte die Chance des Graswurzel-Publizierens ergreifen”

Auf mediascapes.de kritisiert Medienethnologe Markus Biedermann die passive Rolle vieler Ethnologen gegenueber traditionellen und neuen Medien. Aufgrund ihrer negativen Haltung gegenueber Massenmedien ziehen sich viele Ethnologen in ihren Elfenbeinturm zurueck: Ethnologen schreiben lieber für einen kleinen Kreis von Fachkollegen, schreibt Karl-Heinz Kohl, und in der Formulierung klinge zwischen den Zeilen mit, das sei wohl gut so, meint Biedermann.

Er zititert Hans Fischer, der rhetorisch fragt:

“Was wollen wir eigentlich in den Medien? Diese Gesellschaft bezahlt uns, zweifellos. Aber sind wir verpflichtet, ihr deshalb auf dem Kopf stehend Akkordeon vorzuspielen [sic]?” (Fischer 1999: 43)

Gelegenheiten zum Diskus in den Medien einzubringen, gibt es bekanntlicherweise genug. Und als Alternative, schreibt er, gibt es die Weblogtechnik. “Man kann so nicht nur an bestehenden Diskursen teilnehmen, sondern ist auch in der Lage, ein eigenes Thema zu setzen”, so Biedermann:

Thematisch gibt es keine Beschränkungen und auch die Furcht davor, ein Thema verkürzt darstellen zu müssen, entfällt. Internetnutzer suchen ja gerade die Hintergrundinformationen, die klassische Medien nicht bieten. Die Ethnologie sollte die Chance des Graswurzel-Publizierens ergreifen und anstatt sich in das System schreiben zu lassen, selbst in das System schreiben.

>> zum Beitrag auf mediascapes.de: Mehr Öffentlichkeit für die ethnologische Perspektive

SIEHE AUCH:

Thomas Hylland Eriksen: More and more anthropologists, but they’re absent from public debates – “Engaging Anthropology”

P. Kerim Friedman: Open Source Anthropology (Do we want our intellectual contributions to be hidden in dusty archives, or available to anyone who can Google?)

Envisioning a More Public Anthropology: An Interview with Fredrik Barth

Ethnologie und Oeffentlichkeit II: Das ambitioese Projekt der Muenchner Ethnologiestudierenden

The Anthropologists – Last primitive tribe on earth? (Take a look at indigineuos people’s use of online communication as a mean of resistance and raising awareness)

Open Access Konferenz in Wien: Wissenschaftler für freien Zugang zu Wissen

Maximilian Forte (1999): Building Anthropology’s Global Future Via the Internet?

antropologi.info survey: Six anthropologists on Anthropology and Internet

Auf mediascapes.de kritisiert Medienethnologe Markus Biedermann die passive Rolle vieler Ethnologen gegenueber traditionellen und neuen Medien. Aufgrund ihrer negativen Haltung gegenueber Massenmedien ziehen sich viele Ethnologen in ihren Elfenbeinturm zurueck: Ethnologen schreiben lieber für einen kleinen Kreis von Fachkollegen, schreibt…

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In Berlin: Protest gegen Fortwirken des Kolonialismus in der Ethnologie

(via riemer-o-rama) Zu einer antikolonialen Kundgebung und Ausstellung vor dem Ethnologischen Museum in Berlin am kommenden Sonntag rufen der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag (BER e.V.) und die Antirassistsichen Initiative e.V. auf. Denn Ethnologie sei immer noch von kolonialen weissen Sichtweisen gepraegt, schreiben die Veranstalter:

“Ethnologisches Ausstellen findet aus einer europäischen Perspektive heraus statt und hat daher mehr mit europäischen Vorstellungen zu tun als mit den dargestellten Gesellschaften selbst. Durch die Ausstellungsstücke und die Art ihrer Präsentation werden koloniale und rassistische Bilderwelten der weißen Besucher_innen aktiviert und erneut bestätigt.

Zwar haetten die Ethnologen versucht, in ihrer neuen permanenten Afrika-Ausstellung versucht, mit Vorurteilen aufzuraeumen. Unter anderem wurde der Begriff der „primitiven Kunst“ verworfen:

Doch leider ist es nicht damit getan, diese rassistischen Vorstellungen als „überholt“ darzustellen. Vielmehr geht es darum, anzuerkennen, dass diese immer noch die Gedankenwelt der meisten weißen Deutschen prägen. Nach wie vor fehlen Hinweise auf die koloniale Herkunft der Gegenstände. In der neuen Ausstellung werden koloniale Machtverhältnisse sogar noch verschleiert, indem häufig Formulierungen wie „Handelsbeziehungen“ verwendet werden. Auch der europäische Blickwinkel bleibt bestehen, ohne in der Ausstellung als solcher benannt zu werden.

Die Veranstalter fordern zum einen die Rueckgabe geraubter Ausstellungsstuecke, zum andern die Umgestaltung des Ethnologischen Museums in ein Museum, das sich mit der kolonialen Geschichte der Sammlungen und der Tradition ethnologischen Ausstellens befasst.

>> mehr Information zur Kundgebung

>> Interview in der Jungen Welt

Gibt es eine Kontinuitaet zwischen diesen Ausstellungen und heutigen Ethno-Shows?

MEHR ZUM THEMA:

Kolonialismus ist ueberall – erste deutschsprachige Einführung in postkoloniale Theorie

Ethnologe Leo Frobenius und der koloniale Blick auf Afrika

Christoph Seidler: »Opfer ihrer Erregungen«: Die deutsche Ethnologie und der Kolonialismus

An exhibition and a movie: The French, colonialism and the construction of “the other”

Hat sich in der deutschen Ethnologie seit 100 Jahren nichts veraendert?

The spectacle and entertainment value of living Indians in the museum

“Unbedarftheit gegenueber kolonialer Vergangenheit”: taz ueber African Village im Augsburger Zoo

Revolutinierte Afrika-Forschung: FAZ portraetiert den Ethnologen Georges Balandier

‘Weiße’ Geschichte – deutsche Version: Kolonialgeschichte im öffentlichen Straßenbild allgegenwärtig

‘Weiße’ Geschichte: Es tut sich was in Australien

(via riemer-o-rama) Zu einer antikolonialen Kundgebung und Ausstellung vor dem Ethnologischen Museum in Berlin am kommenden Sonntag rufen der Berliner Entwicklungspolitische Ratschlag (BER e.V.) und die Antirassistsichen Initiative e.V. auf. Denn Ethnologie sei immer noch von kolonialen weissen Sichtweisen gepraegt,…

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