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“Deutsche Migranten schlecht erforscht”

Seit 120 Jahren sollen nicht mehr soviele Deutsche ins Ausland migriert, ist z.Zt ueberall zu lesen (ich gehoere auch dieser Gruppe). Fuer uns speziell interessant: Im Gegensatz zu tuerkischen Migranten sind deutsche Migranten sind so gut wie gar nicht erforscht:

Auf die Frage der tagesschau “Wie gut erforscht ist die Motivation der Auswanderer?” antwortet Migrationsforscher Klaus J. Bade von der Uni Osnabrück:

Miserabel. Abgesehen von den aus Visa-Statistiken ablesbaren Absichten, zu bestimmten Zwecken auf Zeit in bestimmte Länder zu gehen, sind wir da erst ganz am Anfang. Auswanderung war eben lange kein aktuelles wissenschaftliches Thema mehr. Es wird Zeit, daß sich das ändert.

Die Zahlen (145 000 Auswanderer im vergangenen Jahr) sind offenbar mit Vorsicht zu geniessen. Diese Zahl gebe nicht an, wie lange die Menschen fortblieben, schreibt die faz. Auch eine befristete Tätigkeit für eine ausländische Firma wuerde als „Fortzug“ erfasst werden. Ausserdem scheinen gewisse Milieus die Zahlen fuer ihre eigenen Steckenpferde zu nutzen (weniger Sozialstaat, mehr Neoliberalismus).

Und da Panikstimmung zu herrschen scheint: Solange der Wegzug freiwillig erfolgt, tun jedem ein paar Jahre im Ausland gut – sollte eigentlich obligatorisch sein fuer alle :)

Recherchetip: Man koennte bei den zahlreichen Auswandererforen im Netz mal anfangen, z.B. im Norwegen Freunde Forum

Zwei Kommentare zur Auswanderwelle:

Clemens Wergin: Tschüss Deutschland
Auswanderung: Staat, Wirtschaft und Gewerkschaften vertreiben viele Leistungsträger (tagesspiegel, 25.10.06)

Uwe Kalbe: Migrations-Paradox
Deutschland ist nicht nur ein Einwanderungsland. Deutschland ist auch ein Auswanderungsland (Neues Deutschland, 24.10.06)

Seit 120 Jahren sollen nicht mehr soviele Deutsche ins Ausland migriert, ist z.Zt ueberall zu lesen (ich gehoere auch dieser Gruppe). Fuer uns speziell interessant: Im Gegensatz zu tuerkischen Migranten sind deutsche Migranten sind so gut wie gar nicht erforscht:

Auf…

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Mediascapes – neuer Medienethnologie-Blog online

Drei Beiträge gibt es bereits www.mediascapes.de

Wir lesen:

Hinter MEDIASCAPES steckt eine Gruppe von Studenten, interessierten Zeitgenossen und Wissenschaftlern, die hervorgegangen ist aus der ehemaligen AG Medien am Institut für Ethnologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.
(…)
Wie der Titel impliziert beschäftigen wir uns mit Medien, und das aus verschiedenen Perspektiven. Als Zusammenschluss von Mediennutzern, Medienproduzenten und soziokulturell Interessierten (meistens in einer Person) beobachten wir hier Themen, die in verschiedensten Feldern im Zusammenhang mit Medien begründet sind.
(…)
Auch soll diese Seite ein Beitrag sein zur Überbrückung der Kluft zwischen isolierter und sinnloser Wissenschaft als Selbstzweck und der alltäglichen sozialen Praxis.

>> zu mediascapes.de

SIEHE AUCH:

Now online: EASA-conference papers on media anthropology

Introduction to “Media Worlds”: Media an important field for anthropology

Working papers in Media Anthropology

Drei Beiträge gibt es bereits www.mediascapes.de

Wir lesen:

Hinter MEDIASCAPES steckt eine Gruppe von Studenten, interessierten Zeitgenossen und Wissenschaftlern, die hervorgegangen ist aus der ehemaligen AG Medien am Institut für Ethnologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.
(...)
Wie der Titel impliziert beschäftigen wir uns…

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Ethnologen: “Heutige Ethno-Shows erinnern an koloniale Völkerschauen”

Shows, die ferne Länder nach Deutschland bringen, haben Hochkonjunktur, meldet dpa. André Hellers Zirkusspektakel «Afrika! Afrika!», das Indien-Musical «Bharati» ziehen Zuschauermassen an. Im Frühjahr 2007 soll ein «spektakulärer Mix aus traditioneller chinesischer Volksmusik und zeitgemäßem Tanz» auf die Buehne kommen.

Ethnologin Ursula Rao sagt, solche Ethno-Shows seien «simple Produktion von Stereotypen». «Allerdings spielen sie positiv mit Stereotypen, um Werbung für ein Land zu machen.» Sie weist auf Gemeinsamkeiten mit den Völkerschauen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hin: Damals wurden Menschen fremder Kulturen angeworben, um zahlendem Publikum als «typisch» erachtete Tätigkeiten ihrer Heimat vorzuführen.

Ethnologe Markus Höhne stimmt ihr zu. Man könne durchaus eine Linie von damals nach heute ziehen.

>> weiter im Stern

Höhne ist Mitverfasser des Berichts Afrikanische Kultur und der Zoo im 21. Jahrhundert: Eine ethnologische Perspektive auf das
„African Village“ im Augsburger Zoo
(pdf)

SIEHE AUCH:

Bewusster oder unbewusster Rassismus? Proteste gegen “African Village” im Augsburger Zoo

Afrikanische und andre Dörfer – “Sie sprießen wie die Schwammerl aus dem Boden”

Shows, die ferne Länder nach Deutschland bringen, haben Hochkonjunktur, meldet dpa. André Hellers Zirkusspektakel «Afrika! Afrika!», das Indien-Musical «Bharati» ziehen Zuschauermassen an. Im Frühjahr 2007 soll ein «spektakulärer Mix aus traditioneller chinesischer Volksmusik und zeitgemäßem Tanz» auf die Buehne…

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Ethnologik 1/2006 nun endlich im Netz

“Going Public” heisst die Fruehjahrs-Ausgabe von Ethnologik, das Blatt der Muenchner Ethnologie-Studierenden. Obwohl ein Ziel der Blattmacher ist, Ethnologie einem weiteren Kreis von Leuten bekannt zu machen, haben sie ihre Publikation lange vor der Oeffentlichkeit versteckt. Sie war bislang nur als Papierversion erhaeltlich (und laut Homepage nur in der Fachschaft zu erwerben). Nun kann man sich das Kunstwerk als pdf-Dokument herunterladen. >> Download von Ethnologik 1/2006

Ich hatte bereits ueber diese Ausgabe ein paar Worte geschrieben im Beitrag Ethnologie und Oeffentlichkeit II: Das ambitioese Projekt der Muenchner Ethnologiestudierenden

Die neueste Ausgabe kam bereits vor drei Monaten heraus und heisst Powerflower. Sie hat bereits fuer Diskussionen gesorgt, siehe ethno::log: “Powerflower” – die neue Ethnologik ist da!

Auch diese Ausgabe gibts bislang nur auf Papier, ein weiteres Anzeichen dafuer wie schwer sich Ethnologen immer noch mit dem Internet tun?

Lichtblicke dagegen Ethmundo.de – neues ethnologisches Online-Magazin und VOKUS – Volkskunde-Zeitschrift stellt alle Artikel gratis ins Netz

SIEHE AUCH:

P. Kerim Friedman: Open Source Anthropology
Do we want our intellectual contributions to be hidden in dusty archives, or available to anyone who can Google?

The Anthropologists – Last primitive tribe on earth?
Take a look at indigineuos people’s use of online communication as a mean of resistance and raising awareness.

Open Access Konferenz in Wien: Wissenschaftler für freien Zugang zu Wissen

"Going Public" heisst die Fruehjahrs-Ausgabe von Ethnologik, das Blatt der Muenchner Ethnologie-Studierenden. Obwohl ein Ziel der Blattmacher ist, Ethnologie einem weiteren Kreis von Leuten bekannt zu machen, haben sie ihre Publikation lange vor der Oeffentlichkeit versteckt. Sie war bislang nur…

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“Wie in Afrika!” Ausstellung über archaische süddeutsche Bräuche

Solche Ausstellungen muss es öfter geben. Die taz schreibt über die Fotoausstellung des Ethnologen und Fotografen Markus Bullik im Altonaer Museum (Hamburg):

Sie bedecken ihr Haupt mit Stroh und hängen sich große Glocken um die Taille. Markus Bulliks Bilder wirken, als seien sie in entlegenen Regionen der Erde aufgenommen worden. Porträtiert hat der Ethnologe und Fotograf seine “Brauchgestalten” aber in süddeutschen Dörfern.

Die norddeutsche Journalistin ist erstaunt über die “archaischen Ausdrücke”, die man im Süden verwendet:

Von manchen Worten wusste man gar nicht, dass die deutsche Sprache sie hat. “Buttenmandl” zum Beispiel, “Hisgier” und “Pfingsthäs”. Begriffe, die exotisch und archaisch wirken und mit denen der norddeutsch-protestantische Städter wenig anfangen kann. In südlich-katholischen Gefilden dagegen werden sie verständlich – vorausgesetzt, man studiert die Dialekte in den dortigen Dörfern. Genau das hat der Ethnologe und Fotograf Markus Bullik getan; die Resultate sind amüsant bis erschreckend. Als stammten sie aus entlegenen Siedlungen Afrikas, wirken die “Brauchtumsgestalten”, die Bullik abgelichtet hat – in Oberbayern, im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb.

Es scheint eine gute Ausstellung zu sein. Die Norddeutsche reflektiert über ihre eigene Sicht der Dinge:

Während man noch überlegt, warum sich ein junger Mann in ein Kostüm aus geflochtenem Roggenstroh zwängt (..) beginnt [man] sich zu fragen, ob sie nicht triftige Gründe dafür haben dürften, in klobigen Stroh- und Kuhglocken-Kostümen herumzulaufen. Ob es nicht Sinn hat, zu Beginn der Kirmes einen Ochsenschädel aus- und später wieder einzugraben.

Kein Zweifel: Die von Bullik dokumentierten Akteure sind durchweg erfüllt vom Sinn dessen, was sie tun; mit selbstbewusstem Stolz blicken sie in die Kamera. Und sollte man, ganz norddeutsche StädterIn, zu Beginn des Ausstellungsrundgangs noch leichte Überheblichkeit gespürt haben – sie gibt sich ganz schnell.

Auch diese Gedanken kommen bekannt vor, erinnern an andere Diskussionen:

Während man sich dabei ertappt, solch romantisierenden Gedanken nachzuhängen, wird man einigermaßen jäh in die Realität zurückgeholt: “Da unter dem Schutz der Masken manche Rechnung zum Ausgang des Jahres beglichen wurde”, ist da zu lesen, “kontrolliert die Polizei heutzutage das Treiben der Wilden Klausen.” Aus ist’s mit der Idylle: Auch diese folkloristischen Harmlosigkeiten lassen sich missbrauchen; patriarchalisch scheinen einem jetzt die sämtlich männlichen Gestalten, die da Winter austreiben und um gute Ernte bitten, sprich: im Advent, zu Ostern und Pfingsten Konjunktur haben. Die unter Kreischen um die Häuser ziehen und deren Bewohner zur Herausgabe von Geld, Speck und Eiern nötigen.

>> zum Text in der taz von Petra Schellen

Dieser Text ist damit die perfekte Ergänzung zum früheren Eintrag Auf zum Zoo der archaischen Riten in Papua New Guinea!

Markus Bullik kennen wir von seiner Tsunami-Hilfsaktion.

Solche Ausstellungen muss es öfter geben. Die taz schreibt über die Fotoausstellung des Ethnologen und Fotografen Markus Bullik im Altonaer Museum (Hamburg):

Sie bedecken ihr Haupt mit Stroh und hängen sich große Glocken um die Taille. Markus Bulliks Bilder wirken, als…

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