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Nafisa.de – Frauen, Gesellschaft – Islam

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(via musafira)Drei muslimische Wissenschaftlerinnen – darunter auch eine Ethnologin- haben die Webseite Nafisa.de ins Leben gerufen. Nina Mühe, Silvia Horsch und Kathrin Klausing wollen den Diskurs über muslimische Frauen kritisch betrachten:

Wir – das sind drei muslimische Frauen und Wissenschaftlerinnen – beschäftigen uns aus persönlichen und beruflichen Gründen intensiv mit den Themenbereichen “Frau”, “Geschlecht”, “Islam” in einer pluralistischen Gesellschaft. Mit nafisa wollen wir über unsere Arbeit, Ansichten und Ergebnisse informieren. Dabei verfolgen wir zwei Ziele: Erstens möchten wir uns am gesellschaftlichen Diskurs über den Islam und muslimische Frauen beteiligen. Schon oft haben wir uns an einseitigen Debatten und tendenziöser Berichterstattung zu einer Reihe von Themen gestört und wollen deshalb unsere Sicht der Dinge in die Diskussion bringen.

Die Forscherinnen sind eifrig am Bloggen. Der neueste Eintrag handelt um Kopftuchstudien.

>> nafisa.de

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(via musafira)Drei muslimische Wissenschaftlerinnen - darunter auch eine Ethnologin- haben die Webseite Nafisa.de ins Leben gerufen. Nina Mühe, Silvia Horsch und Kathrin Klausing wollen den Diskurs über muslimische Frauen kritisch betrachten:

Wir - das sind drei muslimische Frauen und Wissenschaftlerinnen…

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Widerlegen den Mythos vom “Zerfall der Grossfamilie”

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Dass sich die Familie als gesellschaftliche Institution in der Krise befindet oder gar vom Zerfall bedroht ist, wird zwar immer wieder behauptet, stimmt aber so nicht. Das zeigen drei neue Publikationen von Forschern an der Universität Wien, meldet der Informationsdienst der Österreichischen Katholischen Presseagentur KATHPRESS.

Einer der Publikation stammt von der Wiener Ethnologin Elisabeth Timm und ihrer Göttinger Kollegin Heidi Rosenbaum. In “Private Netzwerke im Wohlfahrtsstaat” schreiben sie dass die Großfamilie “nur für einen kurzen Moment in der Sozialgeschichte der Familie” existiert habe, die Kleinfamilie habe eine lange Tradition und sei keinesfalls eine “Erfindung der Moderne”.

Der Blick auf den Zusammenhalt der Generationen werde differenzierter, “wenn man nicht auf die Haushalte blickt, sondern die Beziehungen zwischen den Haushalten betrachtet”: Immerhin 70 Prozent der Kinder würden in räumlicher Nähe zu den Eltern wohnen, so Rosenbaum und Timm. Dies begünstige “intensive soziale Kontakte, aber auch Hilfe und Unterstützung”.

Warum funktioniert das Modell des Zusammenlebens von zwei oder drei Generationen aber noch immer? Der Hauptgrund dafür liegt in der Sicherheit, die “Familie” den Beteiligten bietet, sagt Heidi Rosenbaum in einem Interview mit dem ORF:

Dass 15- oder 16-Jährige, von denen man eigentlich annehmen sollte, dass sie in schwerer Konfrontation mit ihren Eltern stehen und von etwas anderem träumen, sich dennoch nach Familie sehnen, hat etwas mit einer beständigen Konstante zu tun: Jenseits allen Ärgers und Zoffs, den man mit seinen Eltern hat, weiß man, das man angenommen ist.

Ich will nicht idealisieren, aber: Wenn Familie gut läuft, und das tut sie in der Mehrzahl aller Fälle, dann bekommt man Verlässlichkeit, Zuwendung, Solidarität, alles Dinge, die einem als heranwachsender Mensch Sicherheit geben. Und von so einer Basis aus kann man agieren und – pathetisch gesagt – den Herausforderungen des Lebens begegnen.

Ich betone: wenn es gut läuft. Es gibt bedauerlicherweise sehr viele Fälle, wo es nicht gut läuft. Wenn Jugendliche in solchen Fällen noch immer an die Familie als Wichtigste glauben, dann ist das ein Ideal, das sie vielleicht aus der Lektüre haben oder durch andere Vorbilder. Sie hoffen, es für sich selbst mit einer eigenen Familie realisieren zu können.

Diese Sicherheit kann natuerlich auch in Freundschaften gesucht werden, doch Verwandtschaftsbeziehungen seien stabiler:

Es gibt sicher Phasen im Leben, wo Freunde wichtiger sind. Das ändert sich oft in dem Moment, wo man selber Kinder hat, und die Kinder ihre Großeltern brauchen. Nicht unbedingt als Hilfe in allen Lebenslagen, sondern wo man selber merkt, dass man in einer Generationenabfolge steht – als mittlere Generation.

Wenn man vorher keine gute Beziehung hatte zu den eigenen Eltern, verbessert sie sich dann oft. Vielleicht auch weil einem dämmert, was sie alles für einen getan haben, um selber groß zu werden.

Es gibt sicher Einzelfälle, bei denen Freundschaften auch halten, aber gerade in prekären Situation sind Verwandtschaftsbeziehungen sehr leistungsfähig und stabil. Das hängt natürlich immer von einem selbst ab, wie viel man selber in die Beziehungen investiert hat. Der Verpflichtungsgrad in der Familie ist aber generell sehr hoch. Im Gegensatz zu Freundschaften kann man Verwandtschaften nicht aufkündigen. Verwandt ist man immer.

>> weiter zum Interview beim ORF

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Die “negroiden Lippen Obamas” – Ethnologe reagiert auf Rassismus in der Abendzeitung

Obamas Background provoziert rassistische Kommentare. “Ich möchte mich nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen. Wenn sie sagen, des ist eine rassistische Bemerkung: richtig, ist gar keine Frage”, sagte der österreichische Fernsehjournalist Klaus Emmerich.

Die Abendzeitung nimmt die Wahl Obamas zum Anlass, die Frage zu beantworten , weshalb Menschen unterschiedliche Hautfarben haben und produziert einen haarstraeubenden Text, den sogar die Leser entsetzt. (Artikel entfernt, ersetzt mit Kopie)

Wolfgang Habermeyer, Ethnologe an der Uni München, hat gestern einen Leserbrief verschickt und auf ethno:log veroeffentlicht:

Ein Mann wie Barack Obama mit familiären Wurzeln in Kenia sollte endlich auch als Aufforderung dafür aufgefasst werden, dass diese Einteilung (nach Rassen) beendet wird und der Vergangenheit angehört und ich Zukunft in der AZ nichts mehr von “negroiden Lippen” lesen muss. Oder würde meine geliebte AZ auch ungerührt von der “typischen Judennase” schreiben?

>> zum Leserbrief auf ethno::log

>> Das Rätsel der Hautfarbe (Abendzeitung, 5.11.08) (Kopie. Original entfernt)

>> Rassismus-Vorwürfe gegen prominenten Journalisten (Spiegel, 6.11.08)

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Die Abendzeitung…

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Neue Blicke auf “das Fremde”: Sozialanthropologie-Studentinnen geben Buch heraus

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Seminararbeiten verstauben oft in Schubladen. Wiener Sozialanthropologie-Studentinnen dagegen haben aus den Arbeiten ein Buch gemacht. Es hat den Titel “Das Fremde: Konstruktionen und Dekonstruktionen eines Spuks“.

Ich habe mich mit den beiden Redakteurinnen Stephanie Krawinkler und Susanne Oberpeilsteiner, Studierende der Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien, kurz per email unterhalten

antropologi.info: Wieso (noch) ein Buch ueber Fremde?

Stephanie Krawinkler und Susanne Oberpeilsteiner: Unser Sammelband umfasst 6 Beiträge, die in verschiedenen interdisziplinären Feldern angesiedelt sind: Philosophie, Psychologie, Wirtschaft, Politik, Geschichte – immer kombiniert mit einer kultur- und sozialanthropologischen Perspektive. Diese Interdisziplinarität ist eher ungewöhnlich und bietet daher einen neuen Zugang zum Thema. Uns war es ein Anliegen aufzuzeigen, welchen Beitrag Kultur- und SozialanthropologInnen in diesen Feldern leisten können.

Die Auseinandersetzung mit dem, was fremd ist, führt unweigerlich zur Frage nach Grenzen und der Überschreitung dieser Grenzen – was unserer Meinung nach auch für die Wissenschaften gelten sollte. Durch die interdisziplinären Beiträge möchten wir zeigen, dass besonders junge WissenschafterInnen ein Interesse haben über die Disziplingrenzen hinaus zu arbeiten und dabei den anthropologischen Fokus vertreten können.

Ueber welche Fremden schreibt Ihr und warum redet Ihr von einem Spuk?

DAS Fremde gibt es nicht. Es steht immer im Kontrast zum Eigenen und daher ist das Fremde auch für jede Person anders definiert. Den Texten liegt keine gemeinsame Definition des Fremden zu Grunde. Ein Spuk ist etwas, das man sich rational nicht erklären kann. Auf unseren Untertitel übertragen meint Spuk weniger genaues Wissen, als vielmehr eine Ahnung bzw. eine Annahme.

Dies trifft unserer Meinung gerade auf das Thema “Das Fremde” zu. Ein Stammtischthema, zu dem viele meinen, sie müssten mitreden – ohne sich mit “dem Fremden” direkt auseinanderzusetzen, ohne zu definieren, was damit gemeint ist. Jeder spricht über etwas anderes. Durch konkretes Hinschauen auf “Das Fremde” kann der Spuk dekonstruiert werden.

So zeigen etwa der Beitrag über Kritische Diskursanalyse und jener über die Begegnung zwischen Afrikanern und ÖsterreicherInnen in der Nachkriegszeit auf, wie diffuse Vorstellungen vom Fremden den Umgang mit ihnen im Alltag bestimmen. Mithilfe eines psychoanalytischen Zugangs macht die Autorin des Beitrags über einen Fanta-Werbespot deutlich, wie verdrängte Bedürfnisse dem Fremden zugeschrieben werden: Bamboocha, ein an sich inhaltsleerer Begriff, wird in Verbindung mit den Tugenden der Bevölkerung Hawaiis gebracht und im Rahmen des Werbespots auch mit Fanta gleichgesetzt. Durch den Kauf von Fanta können KonsumentInnen jene Bedürfnisse befriedigen, die sie in der westlichen, von Kapitalismus und Wettbewerb geprägten Gesellschaft verdrängen mussten.

In allen drei Beiträgen werden durch die Thematisierung der Fremdzuschreibungen die in den Köpfen der Menschen herumspukenden Vorstellungen vom Fremden dekonstruiert.

Hat das Buch eine Hauptaussage? Bietet ihr “Loesungen” oder alternative Perspektiven auf “die Fremden” an?

Das Buch bietet keine direkten Lösungen an. Einige Beiträge zeigen Dekonstruktionsmöglichkeiten auf, manche schlagen vor, die verwendeten Begriffe zu überdenken, – etwa zu hinterfragen, was man unter „Kultur“ tatsächlich versteht – eine isolierte Einheit, zu der man dazugehört oder nicht, oder einen Sinn- und Deutungshorizont, der allen offen steht; je nach Definition ergeben sich unterschiedliche Konsequenzen für Konzepte des Multikulturalismus.

Wieder andere Beiträge verweisen auf die Vorteile, die Vielfalt mit sich bringt und wie diese auch im Unternehmen sichtbarer gemacht und gefördert werden kann. Im Sinne der Kritischen Diskursanalyse machen alle Beiträge auf die Konstruiertheit „des Fremden“ aufmerksam, und darauf, dass man – je nach Perspektive – auch selbst der/die Fremde sein kann. Nur wenn man weiß, was man selbst und die Gesprächspartner unter diesem Begriff verstehen, kann man sich sinnvoll damit auseinandersetzen.

Habt Ihr schon mal ein Buch herausgegeben? Es ist, nehme ich an, nicht gerade alltaeglich, dass Studenten ein Buch herausgeben? Wie habt Ihr das auf die Reihe gekriegt? Ein langer muehsamer Prozess oder einfacher als man denkt?

Wir hatten keine Herausgeberinnenerfahrung als wir mit dem Projekt begannen. Dass Studierende ein Buch herausgeben ist nicht sonderlich alltäglich. So gab es zu Beginn auch etliche Unkenrufe, dass wir keinen Verlag und keine Förderer finden würden.

Doch die Skeptiker behielten nicht recht, unser Optimismus war überzeugend: Der LIT-Verlag hatte Interesse an unserem Manuskript und die Stadt Wien, das Land Vorarlberg, die Österreichische HochschülerInnenschaft und die Institutsgruppe Kultur- und Sozialanthropologie förderten unser Publikationsprojekt.

Von der Idee bis zur Verwirklichung sind beinahe 1,5 Jahre vergangen. In dieser Zeit wurden die Texte von den AutorInnen intensiv überarbeitet, der Verlag gesucht, die Finanzierungsanträge geschrieben, das Buch lektoriert und gelayoutet. Der Verein fokus_irrt hat uns über diesen Zeitraum hinweg unterstützt und uns viele Tipps zum Thema Veröffentlichung gegeben. Es war ein langer, arbeitsintensiver Weg – aber wir finden es hat sich gelohnt!

Besteht das Buch aus Seminararbeiten oder wurden die Texte extra fuer das Buch geschrieben?

Die Basis für die Beiträge wurde im Sommersemester 2006 im Rahmen eines Seminars erarbeitet. Begeistert von der Vielfalt der thematischen Inhalte und der intensiven Auseinandersetzung, wollten wir die Texte nicht nach der Benotung in der Lade bzw. in den PCs ‘verstauben’ lassen.

Als sich unsere Idee der Veröffentlichung konkretisierte, wurden die besten Seminararbeiten vom Seminarleiter Herrn Mag. Karall ausgewählt. Wir konnten dann die AutorInnen für unser Projekt begeistern.

Die Texte wurden zu einem Artikelentwurf umgearbeitet. In weitere Folge kontaktierten die AutorInnen erfahrene WissenschafterInnen und ersuchten Sie um eine Art review. Daraufhin wurden die Texte überarbeitet. Im Frühjahr 2008 folgte ein weiterer Qualitätskontrollschritt: KollegInnen vom Verein fokus_irrt haben die Texte nochmals lektoriert (reviewed). Nach einem weiteren Überarbeitungsschritt folgte eine letzte Kontrolle der Einarbeitungen bevor es ans Layouten ging.

An wen wendet sich das Buch? Ist es ein Fachbuch oder ist es allgemeinverstaendlich geschrieben?

Das Buch richtet sich an Studierende und Interessierte mit unterschiedlichstem fachlichen Hintergrund, die einen außergewöhnlichen Querschnitt zum Thema “Das Fremde” lesen möchten. Sprachlich richten sich die Texte nicht an ein rein ethnologisches Publikum – so haben wir auch darauf geachtet, kultur- und sozialanthropologische Fachbegriffe zu erklären. Der Sammelband ist vor allem für all jene interessant, die sich über die Grenzen ihrer Disziplin hinaus mit dem Thema beschäftigen wollen.

Hier ist das Inhaltsverzeichnisses des Buches, das vor ein paar Tagen im Lit-Verlag erschienen ist:

  • Peter H. Karall: Vorwort
  • Stephanie A. Krawinkler & Susanne Oberpeilsteiner: Einleitung
  • Caroline Purps: Die Kritische Diskursanalyse
  • Aleksandra Kolodziejczyk: _wien ist eine weltoffene stadt_
  • Susanne Oberpeilsteiner: Konzepte von Multikulturalität und Multikulturalismus
  • Stefan Weghuber: Begegnungen zwischen Afrikanern und ÖsterreicherInnen um 1945, am Beispiel Vorarlbergs
  • Stephanie A. Krawinkler: Diversity Management
  • Hanna M. Klien: Was ist Bamboocha?

AKTUALISIERUNG: Siehe auch meine Rezension des Buches: Buchbesprechung: Unser merkwürdiger Umgang mit "Fremdem"

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Seminararbeiten verstauben oft in Schubladen. Wiener Sozialanthropologie-Studentinnen dagegen haben aus den Arbeiten ein Buch gemacht. Es hat den Titel "Das Fremde: Konstruktionen und Dekonstruktionen eines Spuks“.

Ich habe mich mit den beiden Redakteurinnen Stephanie Krawinkler und Susanne Oberpeilsteiner, Studierende…

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Neue Ethmundo über Polygamie, spiessige Lesben und andere “Beziehungen”

“Beziehungen” ist der Schwerpunkt der neuesten Ausgabe des Ethnologie-Magazines Ethmundo. Die Autorinnen haben faszinierende Geschichten aufgegabelt, die alle aufzeigen, dass “die klassische Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau” nur eine von vielen Moeglichkeiten ist.

Besonders faszinierend ist der Text 1 ÷ 4 x 4000 = Fernbeziehung à la malienne von Caro Kim. Sie erzählt von einer ungewöhnlichen Fernbeziehung. Reinhilds Mann Bathily wohnt in Mali – 4000 Kilometer von Deutschland entfernt. Sie ist zudem die vierte Frau in einer polygamen Ehe. Und es scheint ihr gut zu gehen. Ihr Verhältnis mit den anderen Frauen ist nicht von Rivalität geprägt. Sie redet über ihre „Mit-Frauen“ als Schwestern. Sie ist Teil einer großen Familie geworden, in der sie sich sehr wohl fühlt.

Schon von Polyamorie gehört? Dass sich ihre Liebe und Sexualität auf jeweils nur einen Menschen beziehen soll, ist manchen Menschen suspekt. Polyamorie ist eine Liebesbeziehung zu mehreren Menschen gleichzeitig, erklärt Annika Strauss in ihrem Artikel „Ich liebe euch!“ Oder: Von der Kunst, mehr als nur einen Menschen zu lieben. Sie gibt uns Einblicke in eine “immer grösser werdende Subkultur”, die zuerst in Nordamerika, in den letzten Jahren aber auch zunehmend in Europa immer mehr Anhänger findet. Der Begriff „Polyamorie“ entstand um etwa 1990 und wird seit 1992 vor allem in Internetforen popularisiert. Die von polyamoren Menschen angestrebten Beziehungen sind keine Seitensprünge, sondern langfristig angelegt, vertrauensvoll und schließen normalerweise Sexualität mit ein. (Man muss nicht verheiratet zu sein, dies ist offenbar einer der Unterschiede zur Polygamie)

Spiessige Lesben? Ja, natürlich gibt es sie auch. Im Artikel Doppelt unkonventionell stellt uns Simone Schubert ein Lesbenpaar in einem Dorf im Spessart vor. “Wie sind verheiratet und treu, bauen ein Haus und am Wochenende putzen wir auch schon mal statt Party zu machen“, sagen die beiden.

Beziehungen zu Toten? In Geschenke für die Ahnen – Austauschbeziehungen zwischen Lebenden und Toten in Südthailand berichtet Judith Pein unter anderen von Ahnenritualen, an denen sowohl Buddisten und Muslimen teilnehmen.

Von Mensch-Tier-Beziehungen schreibt Julia Koch in ihrem schönen Text Leben und sterben lassen – von Mufflons und Menschen. Sie hat einen Jäger auf seiner Arbeit begleitet und schreibt:

Das sterbende Tier zuckt noch ein paar Mal, der Jäger schließt ihm die Augen. Diese Geste rührt mich; vielleicht sagt sie mehr aus über das Verhältnis von Jäger und Gejagtem als die Erklärungen, die ich vorher hörte. „Jagen dient dem Naturschutz“, sagen viele. Und natürlich beschafft der Jäger Fleisch. In diesem Moment aber sehe ich in der Jagd etwas höchst Intimes und beginne zu ahnen, warum sie in vielen Gesellschaften mit religiösen Ritualen synchron geht: Sie führt mitten hinein in den Kreislauf des Lebens und Sterbens.

Es gibt noch mehr Texte zum Thema, siehe http://www.ethmundo.de/

"Beziehungen" ist der Schwerpunkt der neuesten Ausgabe des Ethnologie-Magazines Ethmundo. Die Autorinnen haben faszinierende Geschichten aufgegabelt, die alle aufzeigen, dass "die klassische Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau" nur eine von vielen Moeglichkeiten ist.

Besonders faszinierend ist der…

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