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“Transkulturelles Lernen”

Kluge Worte von Ethnologin Christiane Klingspor vom Transkulturellen und interreligiösen Lernhaus der Frauen in der taz. Sie meint (wie viele andere Ethnologen auch), dass wir Kultur neu definieren müssen:

Die Art, wie wir Kultur definieren, prägt unser Verständnis von Gesellschaft. Meist wird unter Kultur etwas Geschlossenes verstanden, das mal durch Ethnie, mal durch Volk, mal durch Geschichte zusammengehalten ist.

Ein transkulturelles Verständnis indes geht davon aus, dass es nie eine abgeschlossene Kultur gab. Leute sind immer gewandert und haben etwas von einer Gesellschaft in eine andere getragen. Wenn man mit dieser Brille guckt, kann man besser miteinander auskommen.

(…)

(W)enn jemand sagt: “Wir sind die deutsche Leitkultur”, dann verkrampft das doch das Miteinander. Wenn man dagegen versteht, dass die Kultur des Okzidents nicht denkbar wäre, wenn der Orient nicht ordentlich zugeliefert hätte, dann kann man etwas entspannter damit umgehen. Dass die transkulturelle Wahrnehmung aber nicht einfach ist, das sieht man schon, wenn Leute aus Berlin auf einen Feuerwehrball in einem sauerländischen Dorf einfallen.

>> weiter in der taz Berlin

Die taz-Reportage über das Lernhaus ist jedoch weniger “transkulturell” – vielleicht liegt es ja an der Journalistin?

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Schule, Integration und Kosmopolitismus

Kluge Worte von Ethnologin Christiane Klingspor vom Transkulturellen und interreligiösen Lernhaus der Frauen in der taz. Sie meint (wie viele andere Ethnologen auch), dass wir Kultur neu definieren müssen:

Die Art, wie wir Kultur definieren, prägt unser Verständnis von Gesellschaft.…

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Barbara Lüem ist tot

Die Basler Ethnologin Barbara Lüem ist im Alter von erst 55 Jahren gestorben, meldet webjournal.ch. Kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Buches ist sie durch einen unglücklichen Sturz unmittelbar gestorben.

Ich habe in den 90er-Jahren an einer ihrer Seminaren an der Uni Basel über die Pazifik-Inselgruppe Tuvalu teilgenommen. Die Einwohner Tuvalus waren auch Thema ihrer Doktorarbeit. Das Nachrichtenportal schreibt:

Sie war eine vielseitig interessierte Persönlichkeit, die als freischaffende Ethnologin, stets auch immer «berufsfremde» Tätigkeiten ausübte, die schliesslich aber immer wieder in ihre wissenschaftliche Arbeit einflossen.

So ist sie die Verfasserin von «Heimathafen Basel» eines der «Bestseller» des Christoph-Merian-Verlages Basel, worin sie umfassend die Geschichte der schweizerischen Hochsee- und Rheinschiffahrt sowie des Rheinhafens Basel in süffig lesbarer Weise schildert.

Sie war auch Märtfrau auf dem Basler Markt, und zwar am Elsässer-Stand von Boulay, Village-Neuf. (…) Barbara Lüem war während eines Jahres auch zuständig für das kulturelle Programm im Kleinbasler Integrations-Zentrum «Union».

>> weiter auf webjournal.ch

Ueber das Buch Heimathafen Basel schreibt die taz:

In vier Kapiteln untersucht die Autorin Fragen nach dem Wie und Warum der Flotte, nach den Schiffstypen, die vom Hochseehafen Basel aus die Welt befahren, und nach den Menschen, die damit zu tun haben. Das Resultat ist ein ausgesprochen interessantes und spannendes Werk, welches historische Informationen, private Dokumente Schweizer Seefahrer und persönliche Eindrücke auf angenehmste Art und Weise verbindet.

>> Interview mit Barbara Lüem über das Buch auf SwissInfo

Die Basler Ethnologin Barbara Lüem ist im Alter von erst 55 Jahren gestorben, meldet webjournal.ch. Kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Buches ist sie durch einen unglücklichen Sturz unmittelbar gestorben.

Ich habe in den 90er-Jahren an einer ihrer Seminaren an…

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Frauen in der Ethnologie: Habilitieren eine Maennersache?

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“Habilitieren? Das liegt Ihnen doch gar nicht als Dame.” Mit diesen Worten wurde Ulla Johansen, der späteren Professorin und Direktorin des Kölner Instituts für Ethnologie, von ihrem Habilitationswunsch abgeraten. Caro Kim schreibt in Ethmundo begeistert ueber das neue Buch Frauen in der deutschsprachigen Ethnologie. Ein Handbuch von Bettina Beer.

Ethnologie ist eigentlich ein Frauenfach an der Uni. Caro Kim schreibt, dass die Rolle der Frauen in der Ethnologie lange uebersehen wurde. Schon im 19. und frühen 20. Jahrhundert waren etliche Frauen von großer Bedeutung für unseres Fach. „Frauen in der deutschsprachigen Ethnologie“ gibt Aufschluss über die Anfänge des Faches aus weiblicher Sicht.

Mehr als 100 Ethnologinnen und Ethnographinnen, die auf Deutsch veröffentlichten, bringt die Heidelberger Institutsleiterin Bettina Beer in ihrem Handbuch zusammen. Die aufgenommenen Frauen sind zwischen 1797 und 1930 geboren:

Durch zahlreiche Interviews mit Ethnologinnen oder mit ihren Nachkommen, Literaturrecherchen und Briefkontakte hat die Autorin in akribischer Arbeit eine beachtliche Sammlung von Lebensgeschichten zusammengestellt. Diese sagen nicht nur viel über die Frauen selbst aus, sondern geben ebenso Aufschluss über den damaligen Zeitgeist und die Etablierung des Faches in Deutschland.
(…)
Es liest sich weniger wie ein bloßes Nachschlagewerk, sondern enthält spannende Lebensgeschichten und Informationen über die Bedingungen von Lehre und Forschung in einer männerdominierten Wissenschaft.
(…)
Interessant sind die verschiedenen Wege, die die portätierten Frauen bestritten, um Berufstätigkeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Dabei gab es einige, die ganz im Gegensatz zu damaligen Konventionen, nie Kinder bekamen oder gar unverheiratet blieben. Selbst die „älteste“ Frau aus dem Handbuch und eine der ersten reisenden Frauen in Deutschland, Ida Pfeiffer, geboren 1797, war allein erziehende Mutter zweier Kinder und wartete mit ihren Reisen bis ihre Söhne aus dem Haus waren.

Das Verständnis der Ethnologie im Kolonialismus und Nationalsozialismus wird im Handbuch auch dargestellt. Die meisten Frauen standen dem Kolonialsystem jedoch unkritisch gegenüber. Wir erfahren auch, dass viele der frühen Ethnologinnen ihrer Zeit voraus waren und sich mit genderspezifischen Fragestellungen beschaeftigten.

>> zur Buchbesprechung in Ethmundo

SIEHE AUCH:

Neue Ausgabe von journal-ethnologie.de: Feministische Ansätze in der Ethnologie

“Es gibt nichts Gutes, ausser Frauen tun es” – Fundamentalismus in der Forschung

Symbolische Güter: Der Soziologe Pierre Bourdieu über «männliche Herrschaft»

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"Habilitieren? Das liegt Ihnen doch gar nicht als Dame." Mit diesen Worten wurde Ulla Johansen, der späteren Professorin und Direktorin des Kölner Instituts für Ethnologie, von ihrem Habilitationswunsch abgeraten. Caro Kim schreibt in Ethmundo begeistert ueber das neue Buch Frauen…

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Ethnologie- und Kunststudierende stellen riechende Strassen aus

Das Ausstellungsprojekt “Sensing the street” erforscht die Sinnlichkeit von Straßen. Studierende der Ethnologie und Kunst zeigen, wie die Ackerstraße riecht, die Adalbertstraße tönt und die Karl-Marx-Straße sich anfühlt, schreibt die taz:

“Sensing the street” heißt das interdisziplinäre studentische Ausstellungsprojekt, das drei Straßen unter die sinnliche Lupe nimmt. Drei Semester lang haben Studierende des Instituts für Europäische Ethnologie an der Humboldt-Universität (HU) und des Instituts für Klangkunst der Universität der Künste (UdK) zusammen geforscht und experimentiert: Wie fühlt sich Berlin an? Diese Frage wollen sie anhand der Ackerstraße, der Kreuzberger Adalbertstraße und der Neuköllner Karl-Marx-Straße beantworten.

Die drei Straßen stehen exemplarisch für typische Berliner Erfahrungen: Teilung, Wiedervereinigung, wirtschaftlicher Niedergang. “Künstlerisch-ethnologische Verdichtung” nennt der Ethnologie-Professor Rolf Lindner die Methode, mittels derer seine Studierenden die besondere Stimmung einer Straße wiedergeben.

>> weiter in der taz

>> Webseite der Ausstellug

UPDATE: Der Tagesspiegel berichtet ueber die Ausstellung: So schmeckt die Großstadt

Das Ausstellungsprojekt "Sensing the street" erforscht die Sinnlichkeit von Straßen. Studierende der Ethnologie und Kunst zeigen, wie die Ackerstraße riecht, die Adalbertstraße tönt und die Karl-Marx-Straße sich anfühlt, schreibt die taz:

"Sensing the street" heißt das interdisziplinäre studentische Ausstellungsprojekt, das drei…

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Ein Ethnologe aus Pakistan bei den Deutschen in Sauberteich

(via ethno::log) Wenn Azam Chaudhary klingelte, dachten die Leute, er wollte betteln. Es war nicht gerade einfach, als pakistanischer Ethnologe die Deutschen in einem Nest im Rheinland zu erforschen, erfahren wir einem toll geschriebenen Beitrag des Magazines Brandeis:

Die Menschen aus dem Dorf waren ihm genug Arbeit. Feldforschung nennen es die Ethnologen. Ausländer stinken und klauen, bekam Chaudhary von den Einheimischen zu hören. Er sei natürlich anders, integriert, einer von ihnen. Und spreche gut Deutsch. Aber das reicht nicht. “Viele nehmen mich nicht ernst”, sagt Chaudhary. “Für die bin ich einfach Pakistani und komme aus einem schlechten Land. Für sie hat Deutschland die am höchsten entwickelte Kultur, und andere machen alles falsch.”

Aber er hat sich nicht von seinem Vorhaben abbringen gelassen und nach und nach Freunde gefunden. Er wurde Mitglied in mehreren Vereinen, auch im Bürgerverein. Einmal wusch er mit anderen das Kriegerdenkmal der Gemeinde. Er spielte Badminton im Verein und Volleyball mit den Lehrern vom Gymnasium. Ein ganzes Jahr hat er in diesem anscheinend sehr biederen Nest, das er Sauberteich nannte, gelebt und danach an der Universität Heidelberg darüber eine Abhandlung geschrieben. Das ist vier Jahre her. Jetzt kam er zurück, um die Nachbarn von einst wiederzusehen. Und Brandeis-Autor Ulf Schubert begleitete ihn dabei. Es wurde ein hervorragender Text daraus.

>> zu Text Deutschstunde im Magazin Brandeis

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“Draußen nur Kännchen” – Ethnologe Asfa-Wossen Asserate redet ueber Deutschland

Deutschlandforschung: “Deutsche Hunde – Ein Beitrag zum Verstehen deutscher Menschen” – Auslaendische Forscher interessieren sich mehr und mehr fuer deutsche Gegenwartskulturen.

(via ethno::log) Wenn Azam Chaudhary klingelte, dachten die Leute, er wollte betteln. Es war nicht gerade einfach, als pakistanischer Ethnologe die Deutschen in einem Nest im Rheinland zu erforschen, erfahren wir einem toll geschriebenen Beitrag des Magazines Brandeis:

Die Menschen…

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