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Wohnwelten: Viele neue Texte auf Ethmundo.de

Wohnwelten ist das Schwerpunktthema von Ethmundo, dem Online-Magazin der AG Onlinejournalismus der Fachschaft Ethnologie an der Uni Münster. Das Thema haben sie sowohl an Beispielen in Deutschland, Ägypten, Indonesien, Korea und Japan untersucht:

Ob in der von IKEA durchgestylten Zweizimmerwohnung oder im indonesischen Langhaus, ob individuell eingerichtet oder die Raumaufteilung nach dem Kosmos ausgerichtet – es gibt unzählige Varianten, wie der Mensch wohnt und lebt. Unsere aktuelle Ausgabe ist deshalb ganz den Wohnwelten gewidmet. Von Deutschland über Ägypten nach Indonesien, Korea und Japan führte uns unsere Reise, auf der Suche nach den kulturellen Facetten des Wohnens.

Im Interview mit Ethnologieprofessor Josephus Platenkamp finden wir Ideen fuer weitere Forschung.

Simone Schubert, Ethmundo: Auch wenn in Deutschland das Haus ein individuelles Aushängeschild ist, würden Sie trotzdem sagen, dass man beim Hausbau gewisse Regeln – kosmologische Regeln – beachtet?

Platenkamp: Interessante Frage… Für Franzosen ist die physische Nähe von Toilette und Küche total verpönt. Also das muss sehr stark getrennt werden. Wie das in Deutschland ist, weiß ich eben nicht. Ich hab das nie erforscht.

Ich denke, dass auf dem Land Bauernhäuser auch teilweise Ahnenbeziehungen repräsentieren. Das kann ich mir gut vorstellen. (…) Wie das in den modernen Häusern gestaltet wird… ich glaube nicht, dass da viel Kosmologie eine Rolle spielt. Es sei denn man sagt, dass der Individualismus als Wert darin zum Ausdruck gebracht wird, dass das Haus individuell gestaltet werden kann. Das ist schon nicht uninteressant.

Eine gute Idee: Teile des Interviews kann man sich in zwei Audioclips anhoeren.

Weitere Beitraege:

Yaw Awuku: Feng-Shui – der Sinn der kosmischen Ordnung
Schon lange hat das Fremde vor der Haustür auch den Weg in unsere Wohnzimmer gefunden. Fernöstliche Wohnkultur ist nicht nur Trend, sondern eine Lebenseinstellung, die vielen hilft ihren Alltag zu meistern.

Caro Kim: Sonnen-City und Bambusdorf – offene Gegensätze und versteckte Gemeinsamkeiten
In Südkoreas Wohnlandschaft treffen verschiedene Welten aufeinander. Hochhausparks und kleine Einfamilien-Häuschen – ein Leben, wie es unterschiedlicher kaum sein könnte. Zumindest von außen.

Melanie Biggeleben: Die Totenstadt Kairos – wenn Gräber zum Lebensraum werden
Auf einem Friedhof in Kairo sind Gräber zum Lebensraum geworden. Auf den ersten Blick scheinen sich die Häuser hier nicht von anderen Häusern zu unterscheiden. Nur, dass in diesen Häusern Lebende und Tote zusammen „wohnen“.

Rebecca Müller: Schöne bunte IKEA-Welt?
Egal ob Bettwäsche, bunte Sessel oder Badezimmer: IKEA ist für viele Menschen dir erste Adresse, wenn es um das Einrichten ihrer Wohnung geht. Doch worin liegt die Faszination für die Billigmöbel?

Serkan Demiral: Das javanische Haus oder weshalb ein Gast zögerte einzutreten – Ein Erlebnisbericht
Eine Limonade bei betretenem Schweigen: Serkan Demiral wusste nicht, was er falsch gemacht hatte, als er seinen javanischen Übersetzer auf ein Getränk in sein gemütliches Haus in Yogyakarta einlud. Klar war nur: Sein Gast saß voller Scham im Wohnzimmer!

Seit wenigen Tagen auch im Netz:

Sarah Wessel: Tod und Teufel: Die Silberminen von Potosí
Potosí in Bolivien ist die höchste Stadt der Welt und Höhepunkt der sechswöchigen Reise der Studentinnen Verena Neudert und Sarah Wessel. Gemeinsam tourten sie im September und Oktober 2004 durch Paraguay, Argentinien, Bolivien und Peru.

Birger Krause: Rashomon – und die Frage nach der Wahrheit
Rashomon wurde bereits 1950 in Japan gedreht. In diesem Text soll es um eine, für die Ethnologie und andere Sozialwissenschaften bedeutende, Problemstellung gehen, die in dem Film eindrucksvoll dargestellt wird.

SIEHE AUCH:

Schöne Aussichten: Ethnologie auf dem Balkon

Home Ethnography? On storyofmyhome.com people can submit their stories about the houses they’ve lived in

Anthropologist explores the history of the flush toilet – an “icon of modernity”

Ethnologik und Ethmundo: Vermitteln Ethnozentrismus und ein ueberholtes Bild von der Ethnologie?

Wohnwelten ist das Schwerpunktthema von Ethmundo, dem Online-Magazin der AG Onlinejournalismus der Fachschaft Ethnologie an der Uni Münster. Das Thema haben sie sowohl an Beispielen in Deutschland, Ägypten, Indonesien, Korea und Japan untersucht:

Ob in der von IKEA durchgestylten Zweizimmerwohnung oder…

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Mehr Fokus auf die Gemeinsamkeiten der Menschen! – Interview mit Christoph Antweiler

antweiler

Christoph Antweiler. Bild: privat

(LINKS AKTUALISIERT 8.4.2020) “Kulturelle Vielfalt ist nur in Zusammenhang mit Gemeinsamkeiten sinnvoll zu untersuchen”, meint Christoph Antweiler. “Was ist Menschen gemeinsam? Über Kultur und Kulturen” heisst das neue Buch vom Trierer Ethnologen, das also eine der ganz grossen Fragen anspricht (Inhaltsverzeichnis, pdf). Ich habe mich kurz via email mit ihm unterhalten:

Warum dieses Buch? Meinen Sie, Ethnologen hätten zuviel über die Unterschiede zwischen Menschen gesprochen?

Christoph Antweiler: Allerdings! Ethnologen sind nach wie vor stark auf Differenz fixiert. Gemeinsamkeiten zwischen Kulturen sind zwar ein altes Thema der Ethnologie. Schon die ersten Ethnologen interessierten sich fuer Universalien, aber diese Perspektive war im Fach immer stark unterbelichtet. Mit wenigen Ausnahmen folgten und folgen die Fachvertreter aber der Aufforderung von Clifford Geertz, „Priester der Vielfalt“ zu sein. Auch ich befasse mich in der alltaeglichen Lehre und Forschung vorwiegend mit kulturspezifischen Charakteristika.

Aber kulturelle Vielfalt ist nur in Zusammenhang mit Gemeinsamkeiten sinnvoll zu untersuchen. Mit ihrer fast ausschließlichen Konzentration auf kulturelle Besonderheiten, Unterschiede und Grenzen folgen Ethnologinnen und Ethnologen etwas unkritisch den Menschen in den meisten Kulturen, die sie untersuchen. Die dem entgegenstehende Feier der Auflösung aller kulturellen Grenzen ist ebenso ueberzogen.

Können Sie ein paar Universalien nennen?

Ja, eine Universalie habe ich gerade schon implizit angesprochen. Ueberall gibt es Inklusion und Exklusion, die zumeist strikte Teilung in Eigen- und Fremdgruppe. Fast ueberall geht diese Ethnizität einher mit der Aufwertung der eigenen und der Abwertung anderer Gruppen, also Ethnozentrismus.

Die in der Öffentlichkeit bekannteste Universalie ist die Meidung von Inzest, also vereinfacht gesagt des Geschlechtsverkehrs oder der Heirat zwischen eng verwandten Personen. Es gibt allerdings starke Unterschiede, wer als „eng verwandt“ angesehen wird. Noch allgemeiner: Saemtliche Kulturen haben explizite Normen, die das Geschlechtsleben regeln. Es finden sich keine oder kaum Kulturen, die Jungen und Maedchen gleich sozialisieren, obwohl das durchaus denkbar waere. Es gibt aber auch ganz subtile Gemeinsamkeiten zwischen Kulturen, z.B. Details der Zeiteinteilung bei der Rezitation von Texten.

Sie schreiben, das Wissen ueber Universalien sei “praktisch relevant für realistische Lösungen menschlichen Zusammenlebens”. Koennen Sie dies naeher erklären?

Die Relevanz entsteht vor allem dadurch, dass wir Menschen wegen immer größerere Vernetzung zunehmend in einer Welt leben und dass gleichzeitig eine der am erfolgreichsten globalisierten Ideen die der kulturellen Besonderheit ist. Jeder ist besonders und alle wollen sich unterscheiden. Das gilt fuer Individuen wie fuer Gruppen bzw. Ethnien. Wir leben in einer Welt der totalen Identitaetspolitik.

Trotz allen Redens ueber Hybriditaet herrscht die Konzentration auf kulturelle Besonderheiten und Unterschiede. Eine Gegentendenz ist die Suche nach Werten, die verschiedene Kulturen in einen Dialog miteinander bringen können. Hier finden wir aber vor allem Wunschdenken, wenig dagegen konkretes Wissen.

Das sieht man z.B. in manchen Projekten für ein globales Ethos oder in Verlautbarungen der UNESCO aus den letzten Jahren. Es wird einerseits eine universale Ethik postuliert; andererseits kulturelle Vielfalt hochgehalten. Die Widersprueche, die sich daraus ergeben, werden ausgeblendet. Ein Beispiel ist das UNESCO-Dokument „Our Creative Diversity“ (1995). Das ist eigentlich eine begrueßenswerte Initiative, die aber politisch naiv ist und dazu durch ethnologische Empirie gar nicht informiert ist.

Hier könnten Ethnologen mit konkretem Wissen aus dem Kulturvergleich nuetzlich sein. Leider fuehrt der systematische Kulturvergleich, obwohl zur Fachtradition gehörend, in der Ethnologie ein Schattendasein, nicht nur in deutschsprachigen Raum.

Was finden Sie besonders bemerkenswert in der Forschungsgeschichte über Universalien? Welche Rolle spielte hier die Ethnologie?

buchcover antweiler
Auffaellig ist das Schwanken zwischen polaren Auffassungen: entweder wird ein extremer Relativismus oder aber ein absolutistischer Universalismus vertreten. Moderate Positionen hatten es immer schwer, auch schon in Zeiten, als es noch keine Massenmedien gab.

Die Ethnologie war und ist besonders fuer einen empirischen Zugang zu Universalien wichtig. Hier waren vor allem kulturvergleichende Arbeiten von George Peter Murdock seit 1945 entscheidend. Fuer das Handwerkzeug der formalen Untersuchung von Universalien (Grundformen, Typen) sind dagegen die Arbeiten der vergleichenden Linguistik und der Kulturphilosophie, z.B. herausragend Elmar Holenstein, besonders wichtig.

Ein Hindernis der Erforschung menschlicher Gemeinsamkeiten war, dass Universalien oft einfach mit der „Natur des Menschen“ der Biologen oder den „anthropologischen Konstanten“ der Philosophen gleichgesetzt wurden. Zusammen mit der allgemeinen „Biophobie“ der meisten Kultur- und Geistswissenschaftler fuehrte das dazu, dass das Thema gar nicht angegangen wurde oder Universalien als banal galten.

Mit Donald Brown, dem fuehrenden unter einer Handvoll von Universalienforschern in der Ethnologie, bestimme ich Universalien bewusst so, dass in der Definition keine Erklaerung eingebaut ist. Universalien sind Merkmale bzw. Charakteristika, die empirisch nachweisbar und regelmaeßig in fast allen oder allen Kulturen vorkommen. Ihre Ursachen sind sehr verschieden. Extrem verkuerzt gesagt sind Universalien teils Resultat der Biologie menschlicher Personen, teils das Ergebnis ubiquitaerer Diffusion und teils der praktische Effekt des Lebens in einer ueberall in Teilaspekten aehnlichen materiellen Welt.

Was ist Ihre Position in der Debatte um die Begriffe “Kultur” und “Kulturen”? Ist die Welt in verschiedene “(ethnische) Kulturen” eingeteilt oder ist diese Vorstellung ueberholt, macht Menschen fremder als sie sind, exotisiert und (z.B. in der Auslaenderdebatte) stigmatisiert?

Schwierig! Die Welt ist tatsächlich in ethnische Kulturen geteilt, aber dennoch gibt es Austausch und Uebergänge! Was ich in der gängigen Kulturtheorie beobachte – und was mich echt nervt – ist, dass das Baby immer gleich mit dem Badewasser ausgekippt wird.

OK, extreme Positionen gehören im mediatisierten Wissenschaftsmarkt zum Geschaeft. Klar ist, dass das Kugelmodell bzw. Containermodell geschlossener Kulturen falsch ist. Die Feier der sich auflösenden Grenzen verkennt aber völlig, dass Menschen trotz aller globalen Kulturfluesse in aller Regel in bestimmten kulturellen und raeumlich begrenzten Einheiten aufwachsen.

Anders als die Helden des modischen Theorieschrifttums ist es eben immer noch nicht so, dass die typische Erdenbuergerin von einer kreolischen Mutter und einem migrantischen Vater in einem Flugzeug gezeugt und auf einem Flughafen geboren wird, um ihr Leben dann als transnationale Stadtnomadin in Megacities zu verbringen.

Ethnizitaet ist sicherlich oft situativ und wird strategisch eingesetzt. Das schließt aber nicht aus, dass sie grundlegend auch primordial gepraegt ist. Allgemeiner sollte die Ethnologie wieder staerker betonen, dass Kulturen zwar nicht ultraholistisch integriert sind, aber eben auch keine zusammenhanglosen Haufen. Kulturen sind systemische Formen menschlicher Daseinsgestaltung.

Einteilungen auf der Ebene der Großkulturraeume haben seit dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 eine ungeahnte Popularitaet erreicht. Auch ich halte das Culture Clash- Modell Samuel Huntingtons fuer allzu einfach, tendenziell ideologisch und zudem fuer zu sehr auf Religion fixiert. Aber auch hier wurde mit der berechtigten Kritik das Kind mit dem Bade ausgeschuettet.

Ich vermute, dass jeder Ethnologe, der nicht nur immer in sein eigenes Feldforschungsgebiet, sondern weiter in der Welt herumreist, bestaetigen wird, dass es so etwas wie regional gepraegte Mentalitaeten und Handlungsroutinen gibt. Ich sag´ das mal am Beispiel meiner Regionalgebietes. Trotz aller extremen (!) Diversitaet innerhalb der Kulturen Suedasiens gibt es bestimmte grundlegende Unterschiede zwischen Kulturen Suedasiens und Suedostasiens. Diese konkret empirisch zu benennen, faellt zugegebenermaßen schwer, ist aber möglich.

Dementsprechend meine ich auch, dass man die unter Ökonomen so extrem populaeren Einteilungen von Hofstede und Trompenaars konkret kritisieren und verbessern sollte, statt sie nur runter zu machen. Was mich aus universalistischer Sicht aber vor allem stört, ist die Einseitigkeit der Kritik. An Huntington wird – z.B. von Ethnologen – fast immer das grobe Raster der Einteilung kritisiert, auf die faktisch viel größere Differenzierung hingewiesen. Das andere Problem des Kultur-Clash-Modells wird dabei völlig uebersehen. Die Gemeinsamkeiten von Kulturen bleiben völlig außen vor, genau wie bei den kleinteiligen Differenzierungen der Ethnologen.

Es muss lange gedauert haben, dieses Buch zu schreiben? Es ist selten, dass Bücher zu solch umfassenden Fragen (“big questions”) von Ethnologen geschrieben werden?

An dem Buch hab´ ich ueber zehn Jahre gearbeitet! Ich habe neben dem Unialltag und Lokalstudien zu Indonesien und anderen Arbeiten, immer nebenbei an dem Buch gearbeitet.

Die allgemeine Situation an den Universitaeten hierzulande lässt kaum umfassende Werke zu. Hinzu kommt der Zustand der Ethnologie in Deutschland. Umfassende Studien werden genauso gemieden, wie einführende Werke. Beide sind aber wichtig und hier könnten die aktiv in der Forschung stehenden jungen Ethnologinnen und Ethnologen gestaltend wirken. Aber aus dem Mittelbau werden breiter angelegte Studien genauso selten kommen, wie Einführungswerke.

Ich habe das Glück, eine Professur zu haben; ansonsten ist so etwas zu gefährlich! Die Rezensions-“Kultur“ in Deutschland ist ohnehin extrem gering und dazu erratisch gepraegt. Ueber viele Kollegen und Buecher bilden sich die Meinungen vor allem ueber Telefonnetzwerke, statt ueber publizierte Rezensionen. Insofern sind Websites wie Ihre, Herr Khazaleh, fuer ein Fach wie die Ethnologie wirklich wichtig!

Bei grundlegenden Werken lauert wie bei Einführungen (dem m.E. anspruchvollsten Genre ueberhaupt) immer die Gefahr, dass einen die Kollegen gleich zerfetzen. So zeigen etliche der Rezensionen zum neuen DTV-Atlas Ethnologie (von Dieter Haller, 2005), dass die Rezensenten den Autor vor allem aufgrund einiger Grafiken abwatschen, ohne ueberhaupt genau auf den Text einzugehen.

Haben Sie vor, das Thema zu popularisieren, an eine breite Öffentlichkeit zu vermitteln? Ich nehme an, das Buch richtet sich hauptsächlich an Studenten und Forscher?

Das Buch wendet sich an Forscher, aber ganz bewusst nicht nur an Ethnologen, weshalb ich es diesmal nicht dem Reimer Verlag, sondern der WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt) angeboten habe. Da ist die Startauflage gleich höher und der Leserkreis breiter.

Für Studenten ist das Buch zu teuer, aber ich habe das Thema Universalien auch im Rahmen eines billigen Taschenbuchs zu kultureller Vielfalt zumindest grob behandelt („Positionen interkultureller Ethnologie“, 2007, 10 €).

Gerne wuerde ich das Thema einer breiten Öffentlichkeit vermitteln; deshalb auch dieses Interview. Ein Traum von mir wäre, wenn das Buch von Leuten popularisiert wuerde, die anders als ich wirklich gut schreiben können. Ich denke an die von mir hoch geschätzen Ethnologinnen Ina Zukrigl und Joana Breidenbach. Die können vereinfachen, spannend schreiben und dabei dennoch sachlich bleiben, wie das leider vergriffene Buch zu kultureller Globalisierung zeigt („Tanz der Kulturen“, zuletzt 2000).

Letzte Worte an die Leser an den Bildschirmen?

Interessant sind Universalien, wenn man sie nicht als Absoluta und als das Gegenteil von Unterschieden sieht, sondern als Muster im „Meer kultureller Vielfalt“.

Lesen Sie nicht nur mein Buch, sondern auch Autoren, die aus ganz anderen Ueberlegungen heraus zum Schluss kommen, dass Kultur nicht nur relativ bzw. auf Differenz zu reduzieren ist. Ich denke z.B. an Aufsaetze und populaere Zeitungsartikel von Thomas Hauschild, der trotz deutlich anderen Erfahrungen und theoretischen Positionen ähnliches betont. Ferner empfehle ich das neue Buch des Ökonomen Amartya Sen „Die Identitaetsfalle. Warum es keinen Krieg der Kulturen gibt“, 2007.

AKTUALISIERUNG

“Focalizar o que é comum aos seres humanos” – Uebersetzung des Interviews auf Portugiesisch

Besprechung des Buches auf rezensionen.ch

antweiler

Christoph Antweiler. Bild: privat

(LINKS AKTUALISIERT 8.4.2020) "Kulturelle Vielfalt ist nur in Zusammenhang mit Gemeinsamkeiten sinnvoll zu untersuchen", meint Christoph Antweiler. "Was ist Menschen gemeinsam? Über Kultur und Kulturen" heisst das neue Buch vom Trierer Ethnologen, das also eine der ganz…

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Headbangen und Kühemelken – Kulturclash in Norddeutschland

Full Metal Village (Wacken)

Was passiert, wenn zwei Kulturen aufeinanderprallen? Dieser Frage geht Sung-Hyung Cho im Film Full Metal Village nach. Sie studierte dabei nicht wie altmodische Forscher “Tuerken” und “Deutsche”, sondern Headbanger und Bauern: Was passiert wenn Horden von Metalfans ins das norddeutsche Nest Wacken einfallen? Wir lesen in der Filmbeschreibung:

Der kulturelle Unterschied zwischen den Bewohnern von Wacken und den aus der ganzen Welt angereisten Heavy Metal Fans kann bei oberflächlicher Betrachtung nicht größer sein. Hier Spitzenblusen, goldene Kruzifixe und dunkle Einreiher, da schwarze Lederhosen, Nietenhalsbänder, tätowierte Teufel und schulterlange Haare.

Einmal im Jahr, am ersten Wochenende im August, ist es in dem kleinen schleswig-holsteinischen Dorf Wacken vorbei mit Ruhe und Beschaulichkeit, die sonst das Leben in der 2000-Seelen-Gemeinde prägt, denn dann findet für drei Tage das Wacken Open Air Festival statt. Angefangen hat das alles vor 17 Jahren in einer Kuhle mit ein paar hundert “Headbangern”. In den darauffolgenden Jahren kamen ein paar Tausend. Jetzt ist das Wacken Open Air mit 40.000 Metallern aus aller Welt so etwas wie ein Wallfahrtsort geworden.

Doch die 40-jährige koreanische Filmemacherin, die seit 17 Jahren in Deutschland lebt und hier studiert hat, hat sicher noch mehr “Kulturen” entdeckt, den die Eingeboren in Wacken sind alles andere als homogen. Hier hat es viel kulturell Komplexitaet. “Der Regisseurin Sung-Hyung Cho muss während der Recherche zum Film wohl klar geworden sein, dass eigentlich nichts schillernder, geheimnisvoller und exotischer ist als das vermeintlich schlichte Landleben”, schreibt der Spiegel.

Die Filmemacherin erzaehlt:

Oma Irmchen zum Beispiel mag das Festival nicht. Nicht, weil sie die Leute nicht ausstehen kann oder so, sondern weil sie religiös ist. Sehr, sehr religiös und streng gläubig. Das hat mit ihrer Biographie zu tun. Sie ist eine Flüchtlingstochter aus Ostpreußen. Sie hat einen langen und schwierigen Weg von Ostpreußen nach Schleswig-Holstein durchgemacht und hat unterwegs Tote gesehen und Tod erlebt. Sie ist überzeugt davon, dass der liebe Gott ihre Familie geschützt hat und deswegen ist sie sehr gläubig und deswegen ist sie gegen das Wacken Open Air. Das ist etwas Essentielles und etwas ganz Rührendes.

Auch wenn Bauer Trede die Geschäfte macht, ist das sehr essentiell. Als Bauer ist es nicht einfach zu überleben. Ohne Subventionen kommen die nicht klar. Daher guckt er immer nach anderen Möglichkeiten, seinen Hof weiterzuführen. So kam es auch zustande, dass er der Chef der Ordner wurde, die Felder verpachtet und so weiter. (…)

Das ist so ein kleines Dorf, da gibt es so wenige Alternativen für junge Leute und das Leben ist wirklich so schlicht und einfach. Da sucht sie nach Alternativen für ein anderes Leben, und das Festival mit Fremden aus aller Welt ist wie ein Rettungsanker. Das ist die weite Welt für sie und das ist wieder essentiell.

Interessant:

Die langhaarigen, schwarzbetuchten und eisenbehangenen Metal-Fans indes schweißen die Landbewohner eher zusammen, denn Widersprüche und Ungereimtheiten im dörflichen Miteinander werden durch sie zum Verstummen gebracht. Deshalb ist es nur konsequent, dass Sung-Hyung Cho in ihre Produktion, die als erste Dokumentation mit dem renommierten Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet wurde, die Wackener die meiste Zeit unter sich zeigt, also vor dem großen Open-Air-Ansturm. Der Alltag fördert einfach mehr Wahrheiten zutage als der Ausnahmezustand einmal im Jahr.

>> zum SPIEGEL-Artikel: Teufelsanbeter im Paradies

>> Interview mit der Filmemacherin und Info zum Film auf wacken.com

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“Grüezi”: Die Exotik des Schweizer Alltags

“Wie in Afrika!” Ausstellung über archaische süddeutsche Bräuche

Alltagsforschung: “Hoppla, da steckt ja viel viel mehr dahinter”

https://www.youtube.com/watch?v=uZjNhF-HPsE

Was passiert, wenn zwei Kulturen aufeinanderprallen? Dieser Frage geht Sung-Hyung Cho im Film Full Metal Village nach. Sie studierte dabei nicht wie altmodische Forscher "Tuerken" und "Deutsche", sondern Headbanger und Bauern: Was passiert wenn Horden von Metalfans ins das norddeutsche…

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Ethnologen schulen Polizisten

Einwanderer – besonders Afrikaner – haben nicht unbedingt nur gute Erfahrungen mit der Polizei. “Stadtpolizei macht sich fit im Umgang mit Ausländern”, meldet das St.Galler Tagblatt. Fuer die Weiterbildung verantwortlich ist u.a. die Basler Ethnologin Lilo Roost Vischer, lesen wir:

Seit Lilo Roost Vischer vor einigen Jahren die Kantonspolizisten am Rheinknie für den Umgang mit afrikanischer Klientel sensibilisiert hat, klingelt bei ihr immer wieder das Telefon. Polizeikorps aus der ganzen Schweiz holen sich Wissen und Gelassenheit im Kontakt mit Ausländern bei ihr.

Entscheidend für den Umgang mit Ausländern ist: «Die Augen schärfen für das konkrete Gegenüber – aber Vorsicht mit Verallgemeinerungen», sagt sie.

>> weiter im St. Galler Tagblatt (Link aktualisiert)

SIEHE AUCH:

Immer mehr Ethnologinnen bei der Bundeswehr

Interview mit Verena Keck: “Ethnologen notwendig in der AIDS-Bekaempfung”

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Multimedia-Webseite: Feste – Bräuche – Traditionen in Europa

Ein Multimedia-Boom bei den Ethnologen? Kanal8 meldet, dass an der Freiburger Universität gestern die neue multimediale Datenbank folklore europaea vorgestellt worden sei. Sie dokumentiert erstmals Feste, Bräuche und Traditionen aus den verschiedenen Regionen Europas. Entwickelt wurde die Datenbank im Fach Europäische Ethnologie an der Uni Freiburg unter der Leitung von Professor Werner Mezger in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk Stuttgart (SWR).

Die Webseite ist viersprachig (deutsch, englisch, franzoesisch und italienisch) und noch im Aufbau. Ein kurzer Test ergab, dass noch ein paar Texte fehlen.

Schauen wir nach Ereignissen in dieser Woche, erfahren wir, dass am 5. Februar frueher in Aha (Breisgau-Hochschwarzwald) der Agathatag gefeiert wurde:

In Aha klebte man am Abend des Agathentags, also am 5. Februar, auf ein Brettchen Kerzen, gewöhnlich für jeden Verwandten eins, bei deren Schein alle Familienmitglieder eine gewisse Anzahl Rosenkränze beten. Das abgetropfte Wachs wurde gesammelt und zu einem Kreuzchen geknetet, das später dem Hirtenbuben oben ins Hosenbrisele, d. h. in den Hosensaum, eingenäht wurde.

Am 2. Februar ist Lichtmess. In Adelsheim (Neckar-Odenwald) fand da frueher die Kerzenweihe statt. Via Multimedia-Suche kommt man zu einer kleinen Lichtmess-Bildergalerie.

Sehr lustig ist das Video ueber das Butzentragen in Ailringen (Hohenlohe, Baden-Wuerttemberg) – ein aus Staedtersicht exotisches Ritual, das weiterhin gepflegt wird.

Die Buben des siebten Schuljahres machen seit unbekannter Zeit am 3. Fastensonntag den Butz. Mehrere Wochen vorher beginnen sie an mehreren Abenden in einem Stall das für die Einbindung verwendete Roggenstroh fein säuberlich herzurichten. Am Sonntag Oculi wird dann in einer geheimgehaltenen Scheune unter Mithilfe eines erfahrenen Mannes der Butz gebunden. Einer der Schüler wird mit dem Roggenstroh eingebunden, erst Füße und Arme, dann der ganze Junge.

Man findet auch Materialen von Braeuchen ausserhalb Deutschlands, z.B. Bilder vom Perchtenumzug in Bad Gastein bei Salzburg oder ein Video vom Basler Morgestraich (Fasnacht) oder Bilder vom Fischsuppenkochfest in Baja (Ungarn) sowie ein Interview zum Eierlaufen in Nagy Kapus (Rumaenien).

Coole Seite! Viel zu entdecken!

>> zur Webseite Feste – Bräuche – Traditionen in Europa

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“Wie in Afrika!” Ausstellung über archaische süddeutsche Bräuche

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“Mediterranean Voices” – Ethnologen mit neuer Multimedia-Datenbank im Netz

Matthias Eberl: Multimedia als Mittel der ethnologischen Darstellung

Ein Multimedia-Boom bei den Ethnologen? Kanal8 meldet, dass an der Freiburger Universität gestern die neue multimediale Datenbank folklore europaea vorgestellt worden sei. Sie dokumentiert erstmals Feste, Bräuche und Traditionen aus den verschiedenen Regionen Europas. Entwickelt wurde die Datenbank im Fach…

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