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Neue Arbeit im Volltext: Mundartrap zwischen Lokalpatriotismus und Globalisierung

Wie Globalisierung zu einer Stärkung von lokalen Identitäten führen kann, zeigt Pascale Hofmeier in ihren Arbeiten “New York im WB-Tal. Lokale Entwicklung der globalen HipHop-Kultur” und “Identitätskonstruktionen im Schweizerdeutschen Mundartrap. Lokalpatriotische Wohlstandshiphopper?” Hofmeier war “beobachtende Teilnehmerin” sowohl auf diversen HipHop-Events wie auch in Internetforen. Es sind vermutlich die ersten Forschungsarbeiten über Mundartrap.

Die Kulturwissenschaftlerin räumt auf mit dem Vorurteil, HipHop sei eine der wenigen Ausdrucksmittel vernachlässigter jugendlicher Ausländer. Doch die Szene hat sich professionalisiert. Die Ältesten haben bereits graue Haare, alle gesellschaftliche Schichten sind Teil des HipHop-Kosmos, und auch auf dem Land haben sich Szenen gebildet.

In der Schweiz boomt der Mundartrap. Die meisten Rapper sind Schweizer. Für die Rapper auf dem Land ist HipHop eine wichtige Ausdrucksform für ihren Lokalpatriotismus, vielleicht kann man sogar sagen, sie werden durch HipHop zu grösseren Patrioten? Man ist stolz darauf, vom Land zu kommen! Gleichzeitig ist man Teil einer globalen Szene, also alles andere als provinziell. Sie schreibt:

Nicht die Notsituation machte die Jugendlichen kreativ, eher die Langeweile! Statt eine Ghettoromantik zu kopieren, wurden die Probleme der eigenen Herkunft thematisiert, die Kultur produktiv aufgenommen und interpretiert.

MC Poet, Versicherungsangestellter und seit zwei Jahren Vater, erzaehlt ihr:

Es war für uns von Anfang an ein Ziel, dass wir das Waldenburgertal publik machen wollten. Wir wollten wie eine Stadt in der Schweiz bekannt sein. WB-Tal muss einem gleich viel sagen wie Rap aus Zürich, aus Bern, aus Basel.

Die Arbeiten sind auch Studien in Kulturwandel. Die vier Standbeine des HipHop Rap, DJing, Graffiti und Breakdance haben sich getrennt! “Die lokale Subkultur HipHop ist in der Schweiz innerhalb von 10 Jahren einer halb kommerzialisierten Mundartrap Kultur gewichen”, schreibt sie. Die Unterschiede im Vergleich zu meiner fast sechs Jahre alten Arbeit Sein Ding machen. Eine ethnologische Forschung in der Hip-Hop Szene Basels sind offenbar.

Hofmeiers Texte sind spannend und souverän geschrieben, man merkt, dass die Autorin sich auskennt und gründlich recherchiert hat. Sehr schön sind die vielen Originalzitate im Text. Die Interviews im Anhang sind eine faszinierende Lektuere auch im Hinblick auf den Forschungsprozess: “Der Sound auf der anderen Seite wird immer lauter. Das macht mich als Interviewerin total nervös”, erfahren wir zum Beispiel. Es wäre schön wenn alle Forscher so offen wären!

Die Texte sind dann am besten, wenn die Autorin selbst das Wort führt. Ich hätte mir daher einen kritischeren Umgang mit den wissenschaftlichen Quellen erwünscht. Aussagen von anderen Autoren werden meist unkritisch übernommen, leider oft sogar wörtlich. Das führt zu Brüchen, macht den Text plötzlich unleserlich, da in den Cultural Studies ein für Aussenstehende schwer verständlicher Slang benutzt wird. Sätze wie “Identität im virtuellen Raum ist nach Nicola Döring (2003:341) eine „dienst- oder anwendungsspezifische, mehrfach in konsistenter und für andere Menschen wieder erkennbarer Weise verwendete, subjektiv relevante Repräsentation einer Person im Netz” sollten erst in besseres Deutsch übersetzt, in eigene Worte gefasst werden, bevor man sie in einer Arbeit verwendet. Dieses Kleben an den Originalquellen ist ein Grundproblem in vielen Arbeiten, die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Alles in allem eine spannende Arbeit, das auch generelle Aussagen zu ethnologischen Standard-Themen Globalisierung und Identität macht!

Beide Arbeiten sind im Volltext im pdf-Format hier auf antropologi.info erhältlich:

Pascale Hofmeier: New York im WB-Tal Lokale Entwicklung der globalen HipHop-Kultur (Seminararbeit, Uni Bern, Januar 2003)

Pascale Hofmeier: Identitätskonstruktionen im Schweizerdeutschen Mundartrap. Lokalpatriotische Wohlstandshiphopper? (Facharbeit, Universität Bern, 20.5.05)

Wie Globalisierung zu einer Stärkung von lokalen Identitäten führen kann, zeigt Pascale Hofmeier in ihren Arbeiten "New York im WB-Tal. Lokale Entwicklung der globalen HipHop-Kultur" und "Identitätskonstruktionen im Schweizerdeutschen Mundartrap. Lokalpatriotische Wohlstandshiphopper?" Hofmeier war "beobachtende Teilnehmerin" sowohl auf…

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Ethnologen beobachten wie die Mentalität der Deutschen sich wandelt

Die Deutschen haben sich verändert. Ethnologen beobachten Veränderungen im Wahlverhalten, im Zwist untereinander, bei Krankheitsbewertung und Tierliebe. Und diese Entwicklung finden Sozialwissenschaftler nicht seltsam, sondern sehr verständlich, schreibt die Welt. Erfreulicherweise nehmen die Medien zur Kenntnis, dass Ethnologen sich auch mit den Verhaeltnissen in Europa beschaeftigen. Auch die Wahl von Parteien können in einem ethnographischen Kontext gesehen werden, erklaert Thomas Hauschild.

>> weiter in der Welt

Die Deutschen haben sich verändert. Ethnologen beobachten Veränderungen im Wahlverhalten, im Zwist untereinander, bei Krankheitsbewertung und Tierliebe. Und diese Entwicklung finden Sozialwissenschaftler nicht seltsam, sondern sehr verständlich, schreibt die Welt. Erfreulicherweise nehmen die Medien zur Kenntnis, dass Ethnologen sich auch…

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Was einem blüht, wenn man 30 und noch ledig ist – Magisterarbeit in Kulturanthropologie

Ueber seltsame Rituale in Norddeutschland berichtet die Cellescher Zeitung:

Mitten in der Celler Innenstadt spielen sich seltsame Szenen ab: unter lautem Gejohle befreit ein Mann in Gummistiefeln, Blümchenkleid und mit rot geschminkten Lippen die Treppen des Rathauses mit einem Besen von unzähligen Papierschnipseln. Ein befremdlicher Anblick für einen Touristen aus Süddeutschland, im Norden jedoch wundert sich keiner, warum sich hier jemand öffentlich zum Affen macht: ganz einfach, der arme Kerl feiert seinen 30. Geburtstag und ist noch nicht verheiratet.

Die Kulturanthropologin und gebürtige Cellerin Kerstin Ehlert hat sich in ihrer Abschlussarbeit mit diesem Brauch auseinander gesetzt. Ihr Aufsatz ist jetzt auch in überarbeiteter Fassung als Buch erschienen.

>> weiter in der Cellescher Zeitung (Link aktualisiert)

Ueber seltsame Rituale in Norddeutschland berichtet die Cellescher Zeitung:

Mitten in der Celler Innenstadt spielen sich seltsame Szenen ab: unter lautem Gejohle befreit ein Mann in Gummistiefeln, Blümchenkleid und mit rot geschminkten Lippen die Treppen des Rathauses mit einem Besen von…

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Ausstellung “Projekt Migration”im Kölnischen Kunstverein

Ungewohnte Perspektiven auf das Thema Migration bietet die Ausstellung “Projekt Migration” im Kölnischen Kunstverein, an der auch Ethnologen der Universität Frankfurt mitgeschafft haben, schreibt die taz:

Wer das Bild einer multikulturellen Buntheit von dieser Ausstellung erwartet, wird überrascht sein, wie anders sie die Akzente setzt.

Ein Beispiel:

Aus dem Couchtisch in der Mitte ragen Hals, Kopf und Helm des letzten Kaisers des Deutschen Reiches, und mit ihm auf Augenhöhe sitzt ein Besucher und fotografiert. “Und was hat das mit Migration zu tun?”, fragen die meisten ungefähr zehn Sekunden nachdem sie durch die Tür getreten sind.

Das ist auf Seite 262 des kleinen Ausstellungsführers gut erklärt, aber wer den noch nicht hat, erhält Auskunft vor Ort: Erstens ist Kaiser Wilhelm II, Enkel von Queen Viktoria aus England, ein schönes Beispiel dafür, dass Migration in europäischen Adelshäusern üblich und politische Praxis war. Zweitens begann mit der Großindustrie in der Zeit von Wilhelm II eine Zuwanderungspolitik, die zwischen willkommenen und unwillkommenen Nationen unterschied. Drittens steht der Kaiser für die kurze Epoche deutscher Kolonialherrschaft. Auf diese Zusammenhänge kommt erst mal fast keiner. Geschichte aus der Perspektive von Migrationsbewegungen und nicht aus der Erzählung über Nationalstaaten wahrzunehmen ist eben noch immer eine ungewohnte Übung.

>> weiter in der taz

>> Besprechung der Ausstellung in der Welt am Sonntag

>> Webseite der Ausstellung “Projekt Migration”

Ungewohnte Perspektiven auf das Thema Migration bietet die Ausstellung "Projekt Migration" im Kölnischen Kunstverein, an der auch Ethnologen der Universität Frankfurt mitgeschafft haben, schreibt die taz:

Wer das Bild einer multikulturellen Buntheit von dieser Ausstellung erwartet, wird überrascht sein, wie anders…

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Bedrohliche Schweiz: Tamilen fürchten “Kulturverlust”

Ein Interview im St.Galler Tagblatt mit Damaris Lüthi, Ethnologin an der Universität Bern undLeiterin eines Forschungsprojekts zum sozialen Wandel der tamilischen Flüchtlinge in der Schweiz.

Sie erzaehlt von den grossen Unterschieden zwischen den frueheren Einwanderern und deren Nachkommen:

Für die erste Generation ist die Hoffnung auf einen eigenen Staat in Sri Lanka wichtig – so wichtig, dass sie ihre Kultur im Gastland konservieren und die Anpassung vermeiden will. Diese Generation bleibt durch tamilisches Fernsehen und tamilische Zeitungen, traditionelle Rituale und Feste stets mit der Heimat verbunden. Die Schweizer Gewohnheiten gelten als bedrohlich – die Sexualmoral und die Geschlechterbeziehungen, aber auch Trinken und Rauchen.

Fuer die “zweite Generation” spielt der Rueckkehrgedanke keine grosse Rolle mehr:

Die zweite Generation wird durch das Schweizer Bildungssystem stark integriert. Damit wird sich auch das Verhältnis der tamilischen Gemeinschaft zur Gesamtgesellschaft «normalisieren».

>> zum Interview im St.Galler Tagblatt

>> Buchbesprechung: “In der Heimat ihrer Kinder. Tamilen in der Schweiz”.

>> Damaris Lüthi (2005): Soziale Beziehungen und Werte im Exil bewahren. Tamilische Flüchtlinge aus Sri Lanka im Raum Bern (Arbeitsblatt 30 des Instituts fuer Sozialanthropologie, Bern)

Ein Interview im St.Galler Tagblatt mit Damaris Lüthi, Ethnologin an der Universität Bern undLeiterin eines Forschungsprojekts zum sozialen Wandel der tamilischen Flüchtlinge in der Schweiz.

Sie erzaehlt von den grossen Unterschieden zwischen den frueheren Einwanderern und deren Nachkommen:

Für die erste Generation…

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